Pop Art

Eduardo Paolozzi in der Berlinischen Galerie

Bunk! Mit Eduardo Paolozzi feiert die Berlinische Galerie den Mitbegründer der britischen Pop Art und damit eine Zeit, in der Kunst zugleich versponnen, poetisch und politisch sein konnte

© Trustees of the Paolozzi Foundation, Licensed by/VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Die Erfahrung der Moderne ist eine einzige große Collage“, befand der in Edinburgh als Sohn irischer Immigranten geborene britische Künstler Eduardo ­Paolozzi (1924-2005) – und ließ bereits 1947 das magische Wort POP in einer Collage ­auftauchen. Dass ausgerechnet das Mitglied der avantgardistischen Londoner „Independent Group“ sowohl zum ehrwürdigen ­„Royal Academian“ berufen als auch zum Ritter geschlagen wurde, entbehrt nicht einer gewissen Ironie: So frech, respektlos und bisweilen auch ganz schön verstrahlt sieht man Kunst selten. Eine modifiziert aus der Londoner Whitechapel Gallery übernommene Retrospektive gewährt nun einen beeindruckenden Einblick in das komplexe Schaffen.

Dabei balanciert „Lots of Pictures – Lots of Fun“ elegant zwischen historischer Aufarbeitung und einer Präsentation, die zur eigenen Suche nach immer neuen Entdeckungen einlädt. Zwar scheinen einige der Skulpturen und frühen grafischen Experimente des einst von Giacometti, Dubuffet und Picasso inspirierten Künstlers in heutigen Augen eher den lange vergangenen Zeitgeist der Nachkriegsära zu verkörpern, doch das nimmt man gerne in Kauf, wenn man erstaunt feststellt, wie aktuell ein großer Teil der Exponate wirkt.

Und manches, wie etwa seine „Bunk!“-­Serie, gilt inzwischen sogar zu Recht als zeitloser Klassiker. Wo er übrigens vor mehr als 40 Jahren das nach eigener Aussage „fruchtbarste Jahr seines Lebens“ auf Einladung des DAAD verbrachte und, von Musik inspiriert, eine komplett abstrakte Werkgruppe schuf? Natürlich in der Stadt, deren Hinterhöfe und Fabriketagen schon damals bei internationalen Künstlern hoch im Kurs standen und die sich selbst inzwischen als eine einzige große Collage neu erfunden hat: Berlin.

Eduardo Paolozzi: Lots of Pictures – Lots of Fun Berlinische Galerie, Alte Jakobstr. 124–128 Mi–Mo 10–18 Uhr, bis 28.5.

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