Berlin global

Ein Döner in New York

Erkan Emre wuchs am Kottbusser Tor auf. Seit mehr als 20 Jahren lebt der Berliner Junge in New York, USA. Und ist jetzt mit seinem Kotti Döner in Brooklyn eine der neuen Streetfood-Sensationen

Foto: Nisanova Studio

Seinen ersten eigenen Döner setzte Erkan Emre in seiner Küche in Brooklyn zusammen. Er hatte das Lieblingsgericht seiner Kindheit am Kottbusser Tor vermisst. In New York war es nirgendwo zu kriegen.

Mit Entwürfen hat der gebürtige Kreuzberger, 42, Erfahrung. Allerdings mit Bauwerken, nicht mit Fladenbrot. 14 Jahre arbeitete er als Architekt in New York, wechselte 2015 in die Immobilienentwicklung. Bis 2017.

Jetzt mischt er mit seinem „Kotti Berliner Döner Kebab“ New York auf. Mit Hashtag auf Instagram: „#doyoudöner?“. Und kurzen Deutsch-Lektionen. Was heißt „Döner-Leidenschaft“? – „Döner Passion.“ Weißte Bescheid.

Seit 1997 lebt der Berliner Junge in New York. Mit Frau und zwei Kindern. 1997, Emra hatte gerade sein Abi gemacht, führte ihn eine Backpackertour her. Nur drei Monate wollte er bleiben. Es wurden 22 Jahre. Bisher. Sieht aus, als kämen noch ein paar hinzu.

Denn Kotti Döner ist die New Yorker Streetfood-Sensation. Im März 2016, sein erster Küchen-Döner hatte sich auf einigen privaten Test-Grillpartys nach „German-Turkish-Style“ bewährt, bewarb er sich um einen der Spots auf dem streng kurartierten Smorgasburg-Foodmarkt am East River in Brooklyn. Und wurde unter 1.500 Bewerbern ausgewählt. Im März 2017 öffnete er den ersten festen Stand im Einkaufszentrum Industrie City, ein zweiter kam drei Monate darauf hinzu. Auf saisonalen Märkten dönert er auch sehr lustig. Und gerade hat Emre einen Zehnjahresvertrag für einen dritten festen Stand unterschrieben. Im hippen, aufstrebenden Brooklyn Navy Yard.

Sein Döner besteht aus Hähnchenfleisch, im Sommer kommt Rind dazu. Alles hormonfrei, ohne Antibiotika. Freiland. Bei ihm gibt es keine Gefrierschränke. Alle Zutaten sind frisch, nachhaltig, lokal. Ein Kebab kostet 13,88 Dollar. „Wir sind damit billiger als der Döner im Adlon“, sagt Emre. Der kostet 19 Euro.

Wie erklärt man einem Ami, was dieser Kotti ist? „ Wir beschreiben den Kotti als einen Ort der Begegnung“, sagt Erkan Emra. Denn der Döner sei ein Teil deutscher Geschichte, der Geschichte der türkischen Gastarbeiter. „Wir sagen: ,Der Kotti ist Berlins Union Square.‘ Das verstehen die Leute.“

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