Kino & Film in Berlin

Ein Interview mit George A. Romero

Der Regisseur hat mit seinem Klassiker "Night of The Living Dead" 1968 dem Horrorkino eine neue, soziale Dimension hinzugefügt. In seinem jüngsten Zombie-Film "Survival of The Dead" sieht er zu, wie sich Lebende und Untote im Familienkreis arrangieren.

George A. Romerotip Mr. Romero, vor 42 Jahren haben Sie mit „Night of The Living Dead“ einen politischen Zombie-Film gedreht, der die Rassen- und Studentenunruhen während des Vietnamkriegs aufgegriffen hat. „Survival of The Dead“ ist Ihr inzwischen sechster Film mit lebenden Toten. Welche Relevanz haben Zombie-Filme heute?
George A. Romero Das hängt immer davon ab wie metaphorisch man mit einem Genre umgeht. Ich habe recht früh begriffen, dass es einfacher ist, meine politischen und sozialen Beobachtungen in Zombie-Filme zu verpacken. Wenn ich die gleichen Themen in seriösen Filmen behandeln wollte, hätte ich es ungleich schwerer. Ich habe immer noch Spaß an Zombie-Filmen. Denn die Untoten können für so ziemlich alles und jede Katastrophe stehen. In meinen Geschichten geht es ja vornehmlich um die noch lebenden Menschen. Die Popularität der Zombies in den letzten Jahren hängt sicher mehr mit Videospielen als mit Filmen zusammen. Die Leute kennen sich inzwischen mit den Regeln aus und lieben Zombies. Deshalb gehen sie auch in die Filme, die sich jetzt viel leichter finanzieren lassen.

tip Aber was bedeutet diese anhaltende Popularität der Zombies?
Romero Das würde ich auch gern wissen. Die Antwort ist wahrscheinlich weniger mysteriös als wir uns das vorstellen. Es hat bestimmt nichts mit unterschwelligen Todeswünschen oder dem Wunsch nach einem Leben nach dem Tod zu tun. Ich bin da sehr pragmatisch. Wenn ein paar Filme oder Videospiele mit Zombies eine Menge Geld einspielen, wollen die Produzenten natürlich mehr davon. Es geht schließlich nur ums Geschäft. Irgendwann fangen die Leute an, sich zu lang­weilen und die Zombies verschwinden wieder. Bis zur nächsten Welle. Zombies kehren in regelmäßigen Zyklen wieder.

tip Nun gibt es in Ihren Filmen ja immer einen gesellschaft­lichen Subtext. Wie würden Sie den bei Ihrem neuen Film umschreiben?
Romero Meine ersten vier Zombie-Filme habe ich mit einem Abstand von mehr oder weniger zehn Jahren gemacht. Nach dem vierten Film, „Land of The Dead“, wollte ich aber möglichst schnell etwas über die Veränderung der Medien und über sozialen Journalismus machen: „Diary of The Dead“ hat dann, gerade weil er so günstig produziert wurde, viel Geld eingespielt. Daraufhin wollten die Produzenten gleich den nächsten Zombie-Film haben. Für mich ging das zwar etwas schnell, aber warum sollte ich mich über meinen Erfolg beschweren? Ich habe dann diese Idee einer dreiteiligen Serie von Filmen gehabt, die mit „Diary …“ beginnt und teilweise mit dort eingeführten Charakteren fortgeführt wird. Bei „Survival of The Dead“ habe ich viel mit
humoristischen Einlagen gespielt und bin auf die Idee gekommen, Western-Elemente in meinen Zombie-Film einzubauen. Der Subtext ist zeitloser, als bei meinen anderen Filmen. Es geht um Krieg und um die Unfähigkeit der Menschen, selbst in Krisensitua­tionen ihren Hass nicht aufgeben zu können. Ich genieße die künstlerische Freiheit, die mir durch die nie­drigen Produktionskosten ge­sichert ist.

tip Die Untoten in ihren Filmen haben unterschiedliche Wesenszüge. In „Survival of The Dead“ gibt es dieses Zombie-Mädchen, das endlos auf einem Pferd durch die Gegend reitet.
Romero Ich muss für jedem Film auf neue Ideen für meine Zombies kommen. Ich weiß auch nicht, wo ich diese Ideen immer wieder her hole. Für einige wird das reitende Zombie-Girl vielleicht zu radikal sein. Manche werden es gar lächerlich finden. Aber ich hatte einfach diese Idee, mochte sie und habe sie kurzerhand umgesetzt. Jetzt muss ich auch mit gespaltenen Reaktionen meines Publikums klar kommen.

tip Ihre Filme „Dawn of The Dead“ (a.k.a. „Zombie“, 1977) und „Day of The Dead“ (a.k.a. „Zombie 2“ – „Das letzte Kapitel“, 1985) sind in Deutschland immer noch auf dem Index. Haben Sie eine Ahnung, warum Ihre Filme hierzulande als so gefährlich eingestuft werden?
Romero Ich finde das unglaublich. Die Leute bemängeln meist die Menge des Blutes und der Gewalt in meinen Filmen. Aber ich erinnere mich gut, dass „Dawn of The Dead“ damals vom Constantin-Verleih vermarktet wurde und in den deutschen Kinos sehr gut lief. Ich bin mir aber nicht sicher, ob der Film da schon gekürzt war.

tip Hier lief 1979 die von Ihrem italienischen Regiekollegen Da­rio Argento bearbeitete Fassung des Films, die inhaltlich etwas gerafft war, aber bis auf die Köpfung eines Zombies durch das Rotorblatt eines Hubschraubers alle blutigen Szenen beinhaltet. Ich habe den Film damals als 16-Jähriger im Kino gesehen und war von der Direktheit der Gewalt überwältigt. Erst als der Film später auf Video veröffentlicht wurde, gab es Probleme mit der Bundesprüfstelle. Bei dem Nachfolgefilm „Day of The Dead“ mussten für die deutsche Frei­gabe über neunzig Schnitte gemacht werden.
Romero Wow!

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