Theater und Bühne in Berlin

Ein Interview mit Maren Kroymann

Die wunderbare Schauspielerin über ihren Auftritt als Fräulein Schneider in der Wiederaufnahme von "Cabaret" im Tipi.

Maren Kroymanntip Das Musical „Cabaret“ in der Inszenierung von Vincent Paterson hatte 2004 Premiere und begeisterte in der Bar jeder Vernunft über 150?000 Zuschauer. Sie übernehmen nun bei der Wiederaufnahme im Tipi die Rolle der Zimmerwirtin Fräulein Schneider. Theater haben Sie allerdings lange nicht gespielt, oder?
Maren Kroymann Kann man so sagen – ungefähr dreißig Jahre! Ich habe am Zimmertheater Tübingen angefangen, war später kurz am Schillertheater, doch die hierarchischen Strukturen und die Art, wie mit Frauen umgegangen wurde, hat mir am Staatstheater überhaupt nicht gefallen. Mit meinem kabarettistischen Soloprogramm „Auf du und du mit dem Stöckelschuh“ habe ich dann 1982 eine eigene Form gefunden. Und außerdem habe ich viel Fernsehen gemacht.

 

tip Ist es schwer, sich in diese fertige Inszenierung von „Cabaret“ einzufügen?
Kroymann Nein, ich habe ja Proben und werde genau eingewiesen. Zur Vorbereitung habe ich außerdem eine Videoaufzeichnung erhalten, aber ich werde den Teufel tun, sie mir anzuschauen. Vor fünf Jahren sah ich Angela Winkler als Fräulein Schneider und fand sie dermaßen toll … Wenn ich sie jetzt wieder sähe, würde mich das hemmen. Ich werde mir die Rolle über die musikalische Seite und die Lieder anzueignen versuchen. Es lebe die Vielfalt, auch was die Besetzung betrifft!

tip Diese Zimmervermieterin ist eine alte Scheune, die plötzlich Feuer fängt. Sind Sie dafür nicht zu jung?
Kroymann Ich bin sechzig Jahre, da kann ich schon so ein altes Mädchen spielen. Für mich ist das eine etwas apodiktische, resolute Berlinische Person mit viel Energie, die auf ihre Knete achten muss, um zu überleben. Sie ist nicht unglücklich, bloß auf die späte Liebe, die ihr plötzlich passiert, nicht vorbereitet.

tip Erzählt das Stück nur von den Goldenen Zwanziger Jahren in Berlin oder überdies etwas von der heutigen Stadt?
Kroymann Ich finde es sehr berührend – und sehr aktuell. Der Nollendorf-Kiez etwa, der Ort der Handlung, ist immer noch schwul geprägt. Natürlich haben wir inzwischen andere Gesetze und die weitgehende Gleichberechtigung von Homosexuellen. Doch auch heute gibt es die Tendenz, Lesben und Schwule nicht besonders zu mögen. Weil alle wissen, dass es politisch nicht korrekt ist, das zu zeigen, wird dann eben offiziell eine aufgeklärte Fassade zur Schau getragen.

Interview: Irene Bazinger

Foto: Jan Wirdeier

Cabaret, Tipi am Kanzleramt, 15.7.–29.8., Di–Sa 20 Uhr, So 19 Uhr, Große Querallee, Tiergarten, Kartentel.: 39 06 65 50

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