Kino & Film in Berlin

Ein Interview mit Zach Galifianakis

Auch in "Hangover 2" weigert sich der Komiker einmal mehr, erwachsen zu werden. Wir haben mit ihm über die Fallen des Typecasting und das Beleidigen berühmter Schauspieler gesprochen.

Zach Galifianakis

tip Hätten Sie sich je träumen lassen, mit „Hangover 2“ eine Hauptrolle in einem von Jungs jedes Alters sehnlich erwarteten Sommerfilm zu spielen?
Zach Galifianakis Ich gehe grundsätzlich davon aus, dass alles zur deprimierenden Enttäuschung gerät, was ich anfasse. Funktioniert. Mit der Haltung kann man nur positiv überrascht werden.

tip Das klingt nach Hits wie „Hangover“ oder „Stichtag“ wie Koketterie.
Zach Galifianakis Okay. Sie haben recht. Ich bin Gottes Geschenk an die Menschheit und erwarte Pilgerzüge von Millionen Leuten, wenn „Hangover 2“ startet. Dass es sich um den lustigsten Film aller Zeiten handelt, versteht sich von selbst.

tip Fortsetzungen sind für gewöhnlich lauter, schneller und teurer. Gilt das auch für „Hangover 2“?
Zach Galifianakis Definitiv, darum habe ich beim Catering auch jedes Mal zwei Portionen bestellt. Aber im Ernst: Wir haben hart daran gearbeitet, zwar die Struktur des Originals zu übernehmen, die Story aber trotzdem mit Überraschungen zu pflastern. Bis zur Premiere bin ich aber zur Geheimhaltung verpflichtet. Was gar nicht nötig gewesen wäre, da ich beim Dreh in Thailand viel gefeiert und sowieso alles vergessen habe.

tip Stimmt es, dass Sie sich als Rädelsführer gegen ein geplantes Cameo von Mel Gibson verwehrten?
Zach Galifianakis Unfug, für die Besetzung sind allein die Produzenten und der Regisseur verantwortlich. Aber ich finde es niedlich, wenn irgendjemand glaubt, dass meine Stimme als Argument gegen einen der mächtigsten Männer der Branche gehört wird. Künftig erwarte ich, dass jede Casting-Entscheidung der Branche über meinen Tisch geht.

tip Wie hoch ist bei der Arbeit Ihr Improvisationsanteil?
Zach Galifianakis Unmöglich zu beziffern. Es gibt Kollegen wie Robert Downey Jr. oder Ed Helms, mit denen man die Szene zweimal laut Skript dreht, um danach fünfmal völlig frei zu improvisieren. Manchmal entsteht daraus Gold, oft auch nur Blech. Beim ersten „Hangover“ hatte ich etwa die Idee, dass meine Figur ein sehr gespaltenes Verhältnis zu Kindern hat und offenbar gar nicht in ihre Nähe darf. Einen Grund dafür gibt es nie. Aber das war der Beginn einer Serie von Gags, die natürlich auch weit in die Fortsetzung reicht.

tip Passt Ihnen das Label des „Manchild“, des ewigen Adoleszenten, das Ihnen ebenso anhaftet wie den Comedy-Kollegen Will Ferrell oder Jason Segal?
Zach Galifianakis „Mehrfacher Oscargewinner“ wäre mir als inoffizieller Titel lieber. Doch wenn du als Komiker erst in einer Nische steckt, kommst du da so schnell nicht mehr raus. Ausflüge ins dramatische Fach werden argwöhnisch beäugt, als ob man fremdginge, während bei Komödien schnell der Vorwurf der Vorhersehbarkeit kommt. Was denn nun? Zieht Jim Carrey eine Grimasse, gilt er als begnadet – zieht er zwei, gilt er als ausgebrannt. Verdammt ungerecht. Schauspieler im drama­tischen Fach kommen auch ein Leben lang mit demselben Gesichtsausdruck durch.

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