So war es beim dritten Kiezgourmet präsentiert von Mastercard Priceless Berlin

Ein kulinarischer Spaziergang durch Charlottenburg

Wir müssen jetzt erstmal mit einigen Vorurteilen aufräumen, oder zumindest mit einigen Klischees. Damit, dass das mit dem Street Food doch eher in Kreuzberg funktioniert, in Friedrichshain oder in Neukölln. Und dass Naturweine nur ein Thema für die ganz Entdeckungsdurstigen sind, wortwörtlich unausgegoren, ohne jedwede Eleganz. Nur das mit dem italienischen Wirt, bei dem sich (beinahe) am Ende des Abends dann alle um den Tresen versammeln, das hat Antonio Bragato aufs herrlichste hinbekommen. Er, diese vielleicht zentralste Figur des kulinarischen Italiens in Berlin, dem das Il Calice am Walter-Benjamin-Platz seit eineinhalb Jahren wieder gehört. Ein selbstbewusster Hauptstadtitaliener, der sich, mehr denn je, auf eine entschlossen kuratierte Produktküche konzentriert. Zur Vertikalverkostung von bis zu 70 Monaten auf der Hefe gereiften Lambrusco-Weinen (eine gerade hierzulande so unfair behandelte Rebe) gab es anlässlich dieses Kiezgourmets präsentiert von Mastercard Priceless Berlin etwa alten Parmesan, ummantelt von nussig-cremigem Lardo. Nach so einem Happen weiß man, wie Umami schmeckt.

 

Da waren wir schon die Mommsenstraße hinuntergewandert, hatten Charlottenburg eingeatmet, das alte und das sich wandelnde. Jenes von Michael Landeck etwa, der sein auf der Street Food Thursday gestartetes Koshary Lux ausgerechnet in der Grolmanstraße, fast am Savignyplatz sesshaft werden ließ. Ägyptisches, generell nordafrikanisch-arabisches Street Food, ja das funktioniert in einer Nachbarschaft wie dieser. Zum Lunch und längst auch zum Dinner. Wobei Landeck, der mehr als die Hälfte seines Lebens in Kairo gelebt hat, seine Gerichte verfeinert, ohne ihnen die Street Credibility zu nehmen. Exemplarisch das namensgebende Koshary, Linsen, Reis, Nudeln, krosse Zwiebeln und eine Tomatensoße, es war eine herrliche Grundlage für die diversen Weine, die nun kommen sollten.

Bilder

Weine, die kommen. Darum geht es der Weinhandlung Viniculture schon seit rund 20 Jahren. Und Inhaber Holger Schwarz sagt von sich selbst, dass er wohl kein Weinhändler mehr wäre, hätten um die Jahrtausendwende nicht immer mehr Winzer radikal naturnah gearbeitet und damit neue, unverfälschte Aromen ins Glas gebracht. Viel also wird gerade geredet über das Phänomen Naturwein: Wir haben viel verkostet. Wobei Viniculture-Sommeliere Alexandra Rehberger eine feine Pointe vorbereitet hatte: Zwei deutsche Naturweine. Ein Müller-Thurgau von Daniel und Bianca Schmitt und der Chardonnay Handwerk von Sven Leiner. Der erste bestätigt die Klischees aufs köstlichste, mit oxidativen Noten in der Nase, der typischen Trübung und einem weiten Geschmack. Der andere geht knackig geradeaus. Und würde, jede Wette, selbst vom größten Naturweinspötter nicht für einen solchen gehalten.

 

Zum tatsächlich großen Finale führte unser Kiezgourmet dann ins Schwein. Jener Gourmet-Weinbar, die der unter drei Michelin-Sternen küchensozialisierte Christopher Kümper so selbstbewusst als Spitzenrestaurant bespielt. Vom kommenden Stern wird bereits gemunkelt. Und „unser“ Nachtisch, ein Burrata-Cheesecake, war gerade erst der Süddeutschen Zeitung eine Lobeshymne wert. Wir geben dieses Lob an Charlottenburg weiter, der alten Dame mit dem verlässlich guten Geschmack. Und an die Gastgeber, die diese Atmosphäre prägen, weltstädtisch, familiär und immer entdeckungshungrig.

Text: Clemens Niedenthal

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