So war es bei Berlin mit Berlinern präsentiert von mastercard priceless berlin

Eine Zeitreise durch Kreuzberg mit Künstler Gió di Sera

Am 26. Mai 2018 ging die neue Event-Reihe Berlin mit Berlinern präsentiert von Mastercard Priceless Berlin in die zweite Runde. Gemeinsam mit dem freischaffenden Künstler, DJ und Gründer des sozialen Projekts StreetUniverCity, Gió di Sera, begab sich eine Gruppe von 15 neugierigen Teilnehmern auf eine Zeitreise durch Kreuzberg. Zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen 61 und SO36, zwischen zahlreichen Kulturen und Weltanschauungen.

Bilder

In den 80er-Jahren kam di Sera als, wie er erklärte,“Kulturflüchtling“ in die deutsche Hauptstadt. Im italienischen Neapel geboren, verliebte er sich sofort in die schöne Vielseitigkeit und Widersprüchlichkeit des heutigen Szenebezirks Kreuzberg. Als Startpunkt für die Tour hatte di Sera den Check-Point-Charlie ausgesucht. Direkt am Übergang zum ehemaligen Ost-Berlin hatte er damals in einer kleinen Galerie zum ersten Mal seine Kunst ausgestellt. In zahlreichen Projekten bekämpfte di Sera in den 80er-Jahren die von der Mauer ausgehende, bedrückende Atmosphäre in Berlin mit farbenfrohen Gedanken, aus denen er Kunstwerke schuf. Inspiriert habe ihn stets der Bezirk Kreuzberg, in dem er seit damals lebt und arbeitet.

Mit kühlen Getränken versorgt, wurde die Gruppe von di Sera zum Oranienplatz geführt. Während man gemeinsam Richtung Engelsbecken schlenderte, erzählte di Sera von der interessanten Wandlung des Platzes, der heute größtenteils von Spätis und Cocktailbars gesäumt wird. „In den 80er-Jahren waren hier rundherum viele Galerien“, so di Sera. „Der Oranienplatz war ein künstlerischer Umschlagplatz, sozusagen das Zentrum Kreuzbergs.“ Zwischen üppigen Büschen und blühenden Bäumen ging man den ehemaligen Todesstreifen entlang. In den 80ern bestimmten hier, am Grenzbereich zwischen West- und Ostberlin, weggebombte Häuser und Wachtürme das Bild. Schwer vorstellbar für die gut gelaunten Teilnehmer, welch gefährlicher Ort dies einmal gewesen war. Auch hier habe er in künstlerischen Guerilla-Aktionen das ein oder andere Mal sein Leben riskiert, erzählte di Sera.

Nachdem man für kurze Zeit die schöne Aussicht auf das Engelsbecken genossen hatte, ging es weiter in Richtung Ostbahnhof. Di Seras Weg führte die Gruppe zu einem kleinen, versteckten Bauernhof an der Ecke Bethaniendamm. Als er einmal kurzfristig eine Schar Hühner für eine seiner Kunstinstallationen gesucht habe, sei er hier fündig geworden. Damals sei das einmal mehr Beweis für ihn gewesen, dass es in Kreuzberg nichts gibt, was es nicht gibt. Auch als naturverbundener Stadtmensch sei Kreuzberg ein Ort, an dem man sich wohlfühlen könne.

Weiter über den Bethaniendamm führte die Route zum Baumhaus an der Mauer, das sich auf einer besetzten Verkehrsinsel befindet. Während der Teilung Berlins befand sich die aus Spermüll gebaute Hütte im sogenannten „Niemalsland“ an der Mauer. Der Erbauer, ein türkischer Rentner, besetzte damals damit versehentlich ein Stück DDR im Westen. Heute fügt sich das Baumhaus immer noch wild und authentisch in das Berliner Stadtbild ein. Von den Behörden wird es toleriert. „In keiner anderen europäischen Großstadt sonst würde man auf solch ein Baumhaus stoßen“, sagte di Sera. „Nicht in Rom und auch nicht in Paris.“

Nach weiteren zehn Minuten erreichte die Gruppe das YAAM, einen Strandclub am Flussufer. 1994 als Jugend und Kulturstandort gegründet, war der „Young African Market“ schon immer ein besonderer Ort für den Künstler Gió di Sera, der mit seinem Projekt StreetUniverCity selbst kulturelle und soziale Entwicklungen vorantreibt. Im YAAM gab es kühle Getränke, danach ging es über den Mariannenplatz zurück zur Oranienstraße. Im Hotel Orania ließ man gemeinsam bei Wein und Flying Buffet den Tag ausklingen und tauschte sich aus. Während des ganzen Nachmittags hatten die Teilnehmer durch di Sera die lebhafte Geschichte hinter teils unscheinbaren Orten in Kreuzberg kennengelernt. Kreuzberg, wo es heute auch Mainstream gibt, war und ist immer noch Schmelztiegel der Ideologien und Nationen. Und verliert deshalb nichts von seiner Anziehungskraft.

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