Kino & Film in Berlin

„Einfach zu haben“ im Kino

Einfach zu haben

Wer hat schon, und wer hat mit wem? Das sind Fragen, die in der Pubertät von großer Bedeutung sind. Schließlich ist Sex ebenso sehr eine Sache der Intimität wie der Öffentlichkeit, man genießt – und schweigt nicht immer. Olive (Emma Stone), Schülerin an einer typischen amerikanischen High School, ist eigentlich ganz und gar keine Schlampe. Irgendwann aber hat sie die ewigen Fragen nach dem ersten Mal satt, und sie erfindet einfach ein Abenteuer, das sich dann sehr schnell herumspricht. Und schon hat Olive einen Ruf weg. Sie ist „Einfach zu haben“ – so lautet der deutsche Titel von Will Glucks Komödie „Easy A“, in der es darum geht, wie die sexuelle Neugierde ständig in Projektionen umschlägt, und damit häufig auch in Einsamkeit.
Aber das wird alles in einem leichten, sehr witzigen Tonfall vorgetragen, wobei die schnoddrige Olive als Erzählerin ihrer eigenen Fallgeschichte auch eine hervorragende Führerin durch die fremde und seltsame Welt des amerikanischen Bildungswesens abgibt. Denn die vielen popkulturellen Typen und geschlechtlichen Orientierungen bilden dort ein hochinteressantes System von Stilisierungen, die an manchen Stellen in Fundamentalismus umkippen (so gibt es einen Club von keuschen Frömmlern), an anderen Stellen aber großen Mut zum Individualismus erfordern. Und Olive ist eigentlich vor allem eine Individualistin.
„Einfach zu haben“ überzeugt vor allem in den Details, in denen Will Gluck viele Pointen fast versteckt. Die Dialoge sind immer wieder großartig (ob das auch in der deutschen Synchronisation klappt, muss sich zeigen), und Olive erweist sich in jeder Hinsicht als potenzielles Idol: So frech und klug würden wohl viele Teenager gern durch die schwierigen Jahre gehen. In der in vielerlei Hinsicht verwandten, tollen Fernsehserie „Glee“, die bald auch in Deutschland läuft, wird Mainstream-Popkultur zum Medium der eigenen Besonderheiten. In „Easy A“ führt der wohl noch schwierigere Weg zum Erfolg der Selbstbehauptung im Chaos der Images und Rollen: Olive ist eine Erbin der klassischen Screwball-Tradition, es fehlt ihr nur an schlagfertigen Partnern.

Text: Bert Rebhandl

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Einfach zu haben“ im Kino in Berlin

Einfach zu haben (Easy A), USA 2010; Regie: Will Gluck; Darsteller: Emma Stone (Olive), Penn Badgley (Woodchuck Todd), Amanda Bynes (Marianne); 92 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 11. November

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