Fine Dining

Eins44 in Neukölln

Eine glatte Eins für das Eins44: Der junge Küchenchef Tim Tanneberger hat aus einem sehr guten ein herausragendes Restaurant gemacht

Foto: eins44

Noch immer will sie gefunden werden, diese charismatische Remise in einem der eher hintersten Neuköllner Hinterhöfe. Ein Gründerzeitschmuckstück mit hohen Decken, in dem der dieser Tage grassierende Industrieschick ausnahmsweise stilsicher und historisch grundiert inszeniert worden ist. Und genauso wünscht man sich, dieses vor rund vier Jahren durchaus engagiert, aber doch bodenbehaftet gestartete Eins44 immer wieder aufs Neue zu finden. Für diesen unwirklichen Moment nach all der Nachkriegstristesse in den vorderen Höfen.

Immerhin, das mit dem Staunen liegt nun auf den Tellern: Spätestens der junge Küchenchef Tim Tanneberger, ein Eins44-Eigengewächs, wie man passend zu seiner durchaus immer wieder gemüsegrünen Küche sagen könnte, hat aus diesem sehr guten ein herausragendes Restaurant gemacht. Apropos: Kohlrabi und Lauch, wohldosiert angeräuchert samt einer intensiven Morchelsauce – so einen Hauptgang (Vier-Gang-Menü 59, jeder weitere Gang 10 Euro) muss man sich erst einmal trauen. Zumal dieser Teller dem Gast kein „Ich bin sowas von lokal und sowieso vegetarisch“ entgegenbrüllt. Überhaupt auffallend: Der leise, immer aber definierte Auftritt. Auf den Tellern. Vom Service. In einer Weinbegleitung, die von entdeckungsdurstigen Naturweinen über reifere Jahrgänge (die es selbst in der hiesigen Sternegastronomie zunehmend selten in die Menübegleitung schaffen) bis zu einem mit Kamilleblütensirup angereicherten Bier viele Register zieht, ohne auch nur einmal den Eindruck zu hinterlassen, dass es dabei eben um das Registerziehen gehen würde. Nein, es waren durch die Bank schlichtweg gelungene Parings.

Nachhaltig beeindruckend: Der Muschelgang mit Sellerie, Auster und Zitrone, intensiv, aber ausgewogen. Und der geflammte Ziegenkäse zur Aubergine, der souverän die Produkte sprechen lies. Ein paar Karotten, die tatsächlich in Walderde gegart worden sind, klingen vielleicht nach einem zeitgeistigen Zugeständnis an eine kauzige Vollbartküche. Aber wie so oft bei den kauzigen Vollbartküchen, war der Geschmack dann just so grundsätzlich wie diese Zubereitungsweise. Dieses Eins44 muss sollte man endgültig auf allen diesbezüglichen Listen haben.

Eins44 Elbestraße 28/29, Neukölln, Tel. 62 98 12 12, Di–Sa ab 18 Uhr, www.eins44.com

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