Selbstversuch

Eisbaden im Plötzensee

Mein erstes Mal: Wie ist das, in eiskaltem Wasser zu planschen – ohne vorher in die Sauna zu gehen? Autorin Masha Slawinski hat im Plötzensee den Selbstversuch gewagt

Foto: Esther Brandenburger

Davor Nervös warte ich mit einer Freundin im Steingarten am Plötzensee. Ein Drittel des Wassers überzieht eine dünne Eisschicht. Unser Plan: zum ersten Mal Eisbaden. Angeblich stärkt es das Immunsystem und hilft, Stress abzubauen. Die Zeit bis zum großen Moment zieht sich ewig. „Wir mussten neulich eine, die das erste Mal dabei war, an den Armen rausziehen, weil sie sich nicht mehr bewegen konnte“, erzählt uns einer der anderen Eisbader grinsend. Er gehört zu den „Ice Dippers“. Wöchentlich treffen sie sich zum Eisbaden. Bevor es losgeht, atmen wir gemeinsam. Intensives Ein- und Ausatmen erhöht den Sauerstoffgehalt im Blut und versetzt den Körper in Alarmbereitschaft.

Währenddessen Ich sitze auf der Betonwand am Rand des Sees und tauche meine Beine ins Wasser. Ich stütze mich ab und gleite in den See. Das Wasser reicht mir bis zum Bauchnabel. Fühlt sich gar nicht so schlimm an. Ich wage zwei weitere Schritte, so dass mein Körper bis knapp zu den Schultern unter Wasser ist. Auf einmal habe ich das Gefühl, dass jemand sehr Schweres auf meinem Brustkorb sitzt. Meine Atmung beschleunigt, wird lauter und schnappend. Ich muss sofort hier raus.

Danach Als gehörten sie einem Fremden, tragen meine Füße mich an Land. Ich blende meine Umwelt nahezu komplett aus, so auch die anderen Bader, die ich während der Atemübungen noch neugierig beäugte. Schweigend ziehen meine Freundin und ich uns an und teilen uns einen Ingwertee, den wir gegen Spende erhalten. Nach kurzer Zeit ist uns wohlig warm und wir werden unglaublich euphorisch. Wir haben es geschafft. Berauscht und sehr gut gelaunt treten wir den Heimweg an. Das werden wir definitiv wiederholen.

Ice Dippers Berlin Steingarten am Plötzensee, bis 24.3. jeden Samstag 10-11 Uhr, facebook.com/icedippersberlin/