Kunst und Museen in Berlin

Emanzipierte Künstlerin der 1920er Jahre: die Berliner Bildhauerin Renйe Sintenis

Begonnen hat sie mit weiblichen Akten, die mit den zeittypischen Verlängerungen der Gliedmaßen deren Durchtrainiertheit unterstreichen.

Georg_Kolbe_Renee_Sintenis_auf_Sylt_c_ArchivGeorgKolbeMuseumBerlinIhre 1930 entstandene Version der „Daphne“, die heute im New Yorker MoMA steht, ist das wohl prominenteste Frühwerk der 1888 geborenen Bildhauerin Renйe Sintenis. Noch überwiegt die menschliche Gestalt, doch mutieren die über dem Kopf gereckten Arme bereits zu Zweigen. Bei ihrem „Polospieler“ verschmelzen dann Reiter und Pferd zu einer symbiotischen Einheit. Sintenis fand immer wieder neue Metaphern für das gesteigerte Lebenstempo nach dem Ersten Weltkrieg. Beeindruckend sind auch ihre Porträtköpfe von Freunden wie Joachim Ringelnatz oder Künstlern wie Andrй Gide.

Sintenis zählte zu den erfolgreichsten Bildhauerinnen der 1920er- und 1930er-Jahre, wurde als Erste in ihrem Fach in die Akademie der Künste aufgenommen. Sie stellte in Paris, Brüssel und New York aus, was sie neben ihrem Talent auch ihrem äußerst engagierten Galeristen Alfred Flechtheim zu verdanken hat. Hinzu kommt ihre Erscheinung. Sie konnte mit 1,80 Metern Körpergröße nicht übersehen werden,  trug extravagante Kurzhaarschnitte und entsprach mit ihrer kultivierten Androgynität so recht dem Typ der „Neuen Frau“.

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1934 wurde sie, wie alle „nichtarischen“ Mitglieder, wieder aus der Akademie ausgeschlossen. Ihre Großeltern mütterlicherseits waren Juden. Das kleine Format und Tierskulpturen waren Renйe Sintenis’ Spezialität – was sich auch verkaufstechnisch als förderlich erwies. Ihr berühmtestes Motiv wird bald wieder auf Plakaten im Stadtbild präsent sein. Es ist der Berlinale-Bär aus dem Jahr 1956.

Text: Martina Jammers

Foto: Archiv Georg Kolbe Museum Berlin

tip-Bewertung: Herausragend

Renйe Sintenis Georg-Kolbe-Museum, Sensburger Allee 25, Charlottenburg, Di–So 10–18 Uhr, bis 23.3.14

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