Kunst und Museen in Berlin

Embedded Art in der Akademie der Künste Berlin

Die Ausstellung Embedded Art – Kunst im Namen der Sicherheit bewegt sich an der Schnittstelle zwischen Angst vor Terror und Sicherheitswahn. Damit geht es um nichts weniger als die Bedrohung des freien öffentlichen Lebens, wie wir es kennen. Zum Thema lud die Künstlergruppe BBM mehr als 30 internationale Künstler in die Akademie der Künste am Pariser Platz ein. Erstmals führen die Kuratoren auch ins bisher unbekannte Untergeschoss der Akademie

Embedded Art_Morris_FiveDie ganze Welt spricht von Gefahren, globalen Bedrohungen und den Schrecken des Terrors. In ihrem Schatten steht das 21. Jahrhundert, das wohl irgendwann als Epoche des Terrorismus in die Geschichte eingehen könnte. Nicht zuletzt deshalb ist es heute schon die Pflicht der Künstler, diese Entwicklungen vom Terror in New York, London oder Madrid genauso wie in Karachi, Bagdad oder Ramallah zu reflektieren, die spezifischen Wesensmerkmale zu hinterfragen und die politischen Fragen und Konflikte, mit aller Freiheit der Kunst, aus anderen Perspektiven zu betrachten. Die Ausstellung „Embedded Art – Kunst im Namen der Sicherheit“ nimmt sich dieser Aufgabe an – ei­ne hochmütige Abhandlung über radikalislamische Schläferzellen und gottesfürchtige Selbstmord­attentäter ist sie aber keineswegs. Die Angst vor dem Terror bedingt schließlich rigide Reaktionsmus­ter seitens der bedrohten Staaten und potenziert so die Komplexität der Situation.

Es sind mächtige politische und technologische Gegenmaß­nah­men, Maßnahmen, die oft kon­trär zu unseren demokratischen Grundfesten stehen. Von einer Ver­schärfung der Überwachung mithilfe von GPS-Technologie oder biometrischer Informationen über die Einschränkung der bürgerlichen Rechte im Hinblick auf Datenschutz bis zum Einsatz von Foltermethoden, wie im Irakkrieg geschehen, scheint hier jedes Mit­tel recht. Aus dieser Reibung zwischen terroristischer Aktion und staatlicher Reaktion ergeben sich gesellschaftliche Verwerfungen, und folglich sind es diese drei As­pekte, die die Arbeiten der mehr als 30 Künstler aus Europa, Japan, Südafrika und den USA strukturieren. Nach dem Vorbild der „war artists“ – Künstler, die bis in die heutige Zeit in England und den USA im Auftrag der Regierung an die Front geschickt werden, um dort vom Krieg inspirierte Kunstwerke zu erschaffen – beauftragten hier die Kuratoren ihre eigenen Kriegskünstler, die in speziellen Themenbereichen „eingebettet“ wurden und aus den Erfahrungen eigens für „Embedded Art“ Werke produzierten.

Embedded Art_Jacques Coetzer_BulletproofPeter Kennard und Cat Picton Phillipps erschufen mit der gigantischen Collage „Inside the Room“ einen grausigen Warroom, Chris­tina Zück präsentiert nüchterne, fast banale Fotografien aus der Gegend von Karachi, wo Ramzi Binalshibh, der Drahtzieher der „Hamburger Zelle“ um Mohammed Atta, verhaftet wurde. Steve Goodman und Toby Heys entwi­ckelten mit „Audint“ eine Klanginstallation, die die Verwendung von Klang als Waffe behandelt, und Jacques Coetzer baute kugelsichere Harnische, die Mitarbeiter der Ausstellung tragen werden. …

Lesen Sie weiter in tip 03/09 auf Seite 68/69

Text: Jacek Slaski

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Embedded Art – Kunst im Namen der Sicherheit
Akademie der Künste, Pariser Platz 4, Mitte, Di-So 11-20 Uhr, jeden Freitag ab 20 Uhr „Bar zur Inneren Sicherheit“,
Eröffnung: Fr 23.1., 19 Uhr, www.embeddedart.org, 24.1.-22.3.2009

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