Kino & Film in Berlin

„Empire St. Pauli – Von Perlenketten und Platzverweisen“ im Kino

Glaspaläste im Schmuddelbiotop: Die Dokumentation geht der Gentrifizierung in Hamburg nach.

Erst geschah es in Soho, ir­gend­­wann in Berlin-Mitte, längst verändert es auch Hamburg-St.-Pauli: Überproportionierte Beton- und Glaspaläste stemmen sich aus ehemaligen Schmuddelbezirken und verändern das Profil der Stadt. Mieten steigen, und Alteingesessene verlieren ihr soziales Biotop. Gentrifizierung nennt sich dieser Prozess, der in den 1980er Jahren begann: Künstler und Studenten zogen in Stadtteile mit günstigen Mieten und belebten sie mit unorthodoxen Lebensentwürfen. Plötzlich galt das alte Viertel als chic, marode Häuser wurden zu Spekulationsobjekten.
Welche Ausmaße dieser Strukturwandel inzwischen in St. Pauli angenommen hat, verdeutlicht die Dokumentation von Irene Bude und Olaf Sobczak. Drei Bürotürme überragen mittlerweile die Altbauten am Hafen und ziehen eine eindeutige Grenze zwischen denen hoch oben und jenen tief unten. Der Film bringt Argumente von typischen St. Paulianern und Stadterneuerern, leuchtet in alte und neue Winkel. Sein Herz schlägt jedoch weniger für Kommerz und Show denn für ein wohlwollendes Miteinander. Ein eindringliches Signal an den Hamburger Senat, sich um eine sozial verträglichere Stadtentwicklung zu kümmern.

Text: Cristina Moles Kaupp

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Empire St.Pauli“ im Kino in Berlin

Empire St. Pauli – Von Perlenketten und Platzverweisen, Deutschland 2009; Regie: Irene Bude, Olaf Sobczak; Farbe, 85 Minuten

Kinostart: 3. September

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