Kommentar

„Ende Gelände?“ von Clemens Niedenthal

Standhaft hält sich ja das kulinarische Gerücht, dass es in einer Grünanalage in Wilmersdorf das beste asiatische Essen der Stadt geben soll

Clemens Niedenthal
Clemens Niedenthal

Dass dem nicht so ist, ja dass dem vielleicht nie so war, steht auf einem anderen, mit Klebereis gefüllten Bananenblatt. In der Tat ist die so genannte Thaiwiese im Preußenpark aber eine kulinarische Institution, die sich aus zwei der typischsten Berliner Mythen nährt. Erstens: Berlin ist immer dann gut, ja wunderbar, wenn die Stadt wild wuchern darf, wenn die Dinge, in diesem Fall ein Street-Food-Bazar, einfach passieren. Zweitens: Berlin ist die Stadt der (Selbst-)Macher. Gewerbeschein, Hygieneaufsicht – egal.
Nun soll das auf einmal nicht mehr ganz so egal sein. Arne Herz, Ordnungsstadtrat von Charlottenburg-Wilmersdorf, hatte kurz vor der Bundestagswahl angekündigt, dass es für die seit rund zwanzig Jahren nonchalant geduldete Thaiwiese plötzlich nur noch zwei Möglichkeiten gebe: ihre Schließung oder die Weiterführung als legalisierter Food-Markt.
Die Thaiwiese zum ganz normalen Street-Food-Event runterkochen? Wer das will, versteht die Regeln des Rechts und der Ordnung, jene der Thaiwiese versteht er nicht. Im Preußenpark nämlich wird nicht nur mit Essen gehandelt, sondern mit jener Ware, die für das kulinarische Berlin so bedeutsam ist: Authentizität. Da passt es dann sogar, dass man an anderen Orten der Stadt längst viel besser asiatisch essen kann. Aber die Geschichte, die die Thaiwiese erzählt, die ist eben verdammt gut.

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