• Spezial
  • Endlich wieder im Kino: Die perfekte Kandidatin!

Spezial

Endlich wieder im Kino: Die perfekte Kandidatin!

ANZEIGE

„Die perfekte Kandidatin“ ist das beflügelnde und scharfsichtig gezeichnete Porträt einer Emanzipation, das zeigt, wie zutiefst überwältigend Kino sein kann. Gefühlvoll, weitsichtig und voller Kraft.

Maryam ist eine Ärztin in einer kleinen Stadt in Saudi-Arabien. Als moderne junge Frau, die einer aufgeschlosseneren Generation angehört, möchte sie ihr Leben selbst gestalten und nutzt die ihr gebotenen neuen Möglichkeiten. Sie arbeitet im örtlichen Krankenhaus und ist stolz darauf, ihr eigenes Auto zu besitzen. Eine Freiheit, die lange undenkbar war. Trotz ihrer exzellenten Fähigkeiten muss sie sich jeden Tag aufs Neue den Respekt der Mitarbeiter und der Patienten erkämpfen. Ihren Beruf liebt sie trotzdem. Sie begegnet den Zweiflern mit Stärke und selbstbewusster Souveränität. Wütend macht Maryam vor allem der Zustand der Straße vor der Klinik. Weil die Stadt die Zufahrt nicht asphaltiert, bleiben die Patienten regelmäßig im Schlamm stecken. Maryam will Veränderung und bewirbt sich um eine bessere Stelle in Dubai. Doch wegen einer Formalität und weil sie keine männliche Begleitung hat, lässt man sie nicht reisen. Ihr Vater ist auf Tournee und kann ihr nicht helfen. Er bemüht sich, seine Kinder bei ihren Plänen für die Zukunft zu unterstützen. Er weiß als Musiker selbst am besten, wie schwierig es ist, mit ständigen Restriktionen zu leben. Lange Zeit war das kulturelle Leben im Land extrem eingeschränkt. Und nicht selten wurde die Familie verspottet, weil er und seine Frau von einer musikalischen Karriere träumten, die sich aufgrund der Gegebenheiten leider nur auf Hochzeitsauftritte beschränkte. Maryam sucht Hilfe bei einem entfernten Cousin. Doch der Zufall will es, dass der als Beamter nur Kandidaten für die anberaumte Wahl des Stadtrats empfängt. Vor allem aus Trotz erklärt sich Maryam kurzerhand zur Kandidatin. Erst später wird ihr klar, welche Chance zwischen der bürokratischen Willkür lauert: als Stadträtin könnte sie die Asphaltierung der Klinik-Zufahrt selbst in die Hand nehmen. Maryam und ihre beiden Schwestern treten eine Kampagne los, die schon bald nicht zu übersehen ist. An jeder Ecke lauern Restriktionen für Frauen; trotzdem wird Maryams Stimme lauter, ihre Auftritte mutiger, ihre Forderungen radikaler. Die junge Ärztin, die vom lang erkämpften Recht auf ein eigenes Auto wie selbstverständlich Gebrauch macht, besteht nun auch auf die Straße, auf der sie fahren kann.

Die Regisseurin Haifaa al Mansour („Das Mädchen Wadjda“) erzählt in DIE PERFEKTE KANDIDATIN mit viel Weitsicht und Feingefühl, wie eine minimale gesellschaftliche Öffnung der Klaviatur bürokratischer Willkür völlig neue Töne entlockt. Ihre Signatur ist ein weiblicher Blick, der seine Perspektive immer mitzudenken versteht, eine Film gewordene Verneigung vor der Unbezähmbarkeit weiblicher Souveränität. So entsteht das so beflügelnde wie scharfsichtig nachgezeichnete Porträt einer Emanzipation, das zeigt, wie zutiefst überwältigend Kino sein kann.

Mehr über Cookies erfahren