Deutsch-Postpunk

Erik Cohen spielt im Cassiopeia

Kiel in Kalifornien: Erik Cohen kann Goth-Rock, aber auch verlebte Seeleute besingen

Foto: Frank Peter

Der Plan hätte daneben können: Als Sänger einer altgedienten, von Fans geliebten Rockband plötzlich einen Neuanfang zu starten. Erik Cohen ging das Wagnis vor sieben Jahren dennoch ein; damals hatte er gerade das Abschiedsalbum mit seiner Hardcoretruppe Smoke Blow vorgelegt. Seither firmiert der Shouter unter dem Namen Erik Cohen – bürgerlich heißt der Familienvater bodenständig Daniel Geiger. Ruppigen Hardcore mit Neunziger-Schlagseite hat der Norddeutsche seither eingetauscht gegen ein stilistisch weiteres Feld zwischen 1980er-Goth-Rock und Postpunk – mit deutschen Texten.
Durch das neue dritte Album „III“, das Cohen auf dem eigenen Kieler Label herausbringt, weht verstärkt eine kalifornische Wüstenbrise à la Eagles Of Death Metal; nebenher grüßen „Bochum“ und „Der goldene Reiter“. Die immer noch mutige Mischung rollt inzwischen organischer als zuvor, dabei verlässt sich Cohen auf sein Fundament: Indie- und „Do It Yourself“-Wurzeln. Die Produktion entstand wieder auf eigene Faust – stets in den Zeitlücken von Cohens Hauptjob als Erzieher und Vater von vier Kindern. So nimmt man dem Mittvierziger seinen „working man“-Ethos problemlos ab, der in Songs über verlebte Seeleute mitschwingt, über Ausbruchsfantasien oder die Liebe zum Fußball in schäbigen Stadien, wie bei Holstein Kiel.

Cassiopeia Revaler Str. 99, Friedrichshain, Fr 26.1., 21 Uhr, VVK 20 €