Kunst und Museen in Berlin

Erik Mark Sandberg in der Johanssen Gallery

Bilder von Popkultur und Schönheitswahn: Erik Mark Sandberg in der Johanssen Gallery

Erik_Mark_Sandberg_BildMichael Jacksons Beerdigung, Viagra im Leitungswasser, Hochglanzmagazine, magersüchtige Topmodels und die allgegenwärtige mediale Präsenz von vermeintlichen Stars und obskuren TV-Prominenten. Die Welt des ehemaligen Kinderschauspielers Erik Mark Sandberg ist die Realität, und doch gleicht sie bei genauerer Betrachtung einem Zombiefilm. Seit der Maler in Los Angeles lebt, wurde alles nur noch schlimmer. In seiner ersten Ausstellung in Europa zeigt er neben einigen großformatigen und äußerst detailverliebten Blumenstillleben, die er in einer Mischtechnik aus Collage, Acrylmalerei und Siebdruck gefertigt hat, auch eine Reihe kleinerer Bilder: die „Hairy Children“-Serie. Diese haarigen kleinen Wesen gleichen den armen Geschöpfen, die man einst von Stadt zu Stadt karrte und neben dem starken Mann und der Schlangenfrau einem dumpfen Mob vorführte. Es ist Sandbergs Kommentar zu der glitzernden Welt des Ruhms und Konsums. „Ich glaube, dass die evolutionären Effekte, die die Pop-Industrie auf Kinder hat, sie in kleine Freaks verwandelt“, sagt der 34-Jährige, der neben dem Kunststudium eine Kfz-Lehre abgeschlossen hat und gelegentlich auch als Illustrator arbeitet.

Mit subtilem Humor und grellen Farben porträtiert er seine kleinen Ungeheuer und positioniert sich explizit gegen den in seiner Heimat verbreiteten Schönheitswahn. In den USA, wo jedes Haar zu viel ein gesellschaftliches Stigma bedeutet, ist ein Kind, dem Haare im Gesicht wachsen, unerträglich. Sandbergs Bilder erzählen so auch von den Schattenseiten einer glamourösen Kultur.

Text: Jacek Slaski

(tip-Bewertung: Sehenswert)

Erik Mark Sandberg „Picture Day in the Garden“,
Johanssen Gallery (Adresse + Googlemap), Mo-Sa 10-19 Uhr (bis 29.8.)

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