Kunst und Museen in Berlin

Erik Smith im Skulpturenpark

Der Künstler Erik Smith gräbt auf Berliner Brachen nach histo­rischen Fundstücken.

Erik_SmithVielleicht ist einfach nicht die richtige Jahreszeit, um es zu erkennen. Vielleicht würde eine weiße Schneedecke helfen. Jedenfalls befinden sich in der Mitte Berlins, dort, wo einmal die Mauer eine tiefe Schneise in die Stadt gegraben hatte, noch immer kleine Fleckchen Paradies. Nach und nach verschwinden die Brachen und damit nicht nur die üppigen Pflanzenwelten, sondern auch, im Verborgenen, Stücke der Historie. Der amerikanische Künstler Erik Smith, aus Neugier auf die Kunstszene nach Berlin gereist und seit 2003 „hängen geblieben“, machte sich genau dort auf die Suche nach vergessenen Orten. Die geschichtsträchtigen Brachflächen, unter denen die Spuren der Vergangenheit begraben liegen, faszinierten ihn. Er beobachtete, wie diese Brachen nach und nach verschwanden, und verfolgte die Grabungen auf verschiedenen Baustellen. Es wird zugedeckt, Neues errichtet, das Alte im wahrsten Sinne des Wortes zugeschüttet. Doch in dem Prozess werden auch für kurze Zeit unter der Erde versteckte Hohlräume freigelegt. Unsichtbare Räume, die unter unseren Füßen existierten, ohne von uns wahrgenommen zu werden.

Smith will ihnen Gestalt geben, sie sichtbar machen. So auch bei seinen Grabungen auf dem Gelände, das vom Verein KUNSTrePUBLIK seit 2006 unter dem Namen „Skulpturenpark“ für künstlerische Interventionen genutzt wird. Smith erwartete lediglich eine Fundamentmauer. Nach zwei Tagen Schaufelarbeit stieß er jedoch auf eine fast intakte gusseiserne Spindeltreppe, ein Bruchstück eines Gebäudes aus dem 19. Jahrhundert, das unter dem einstmaligen „Todesstreifen“ vergraben gewesen war. Umgeben von reger Bautätigkeit, liegt der kulturelle Schatz nun frei zur Besichtigung, daneben ein ordentlicher Schutthaufen mit Erdklumpen, die Smith sechs Wochen lang nach oben geschaufelt hat. Nun muss der Künstler bald zusehen, wie sein erschürfter Fund wieder zerstört wird. Die Bagger stehen schon bereit. Im Januar nächsten Jahres soll gebaut werden. Den Hergang seiner Aktion wird Smith im Januar im „Stedefreund“ als Diaschau zeigen.

Text und Foto: Constanze Suhr

Erik Smith: Test Dig No. 1 Skulpturenpark, Neue Grünstraße, Zugang Seydelstraße, Mitte, bis zum Baubeginn im Januar 2012 

Space release #3 mit Erik Smith, M. Pederson, M. Kudlicka, A. Gathmann, J. Zahn, R. Michaelis, A. Schumacher, A. Graydon; Stedefreund, Straßburger Straße 6-8, 1. Hof, Prenzlauer Berg, 21.1.–18.2., Eröffnung: Fr 20.1., 19–22 Uhr, Fr+Sa 15–18 Uhr

Buchtipp „Skulpturenpark_Zentrum“, Hg. KUNSTrePUBLIK e.V., Berlin 2010

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