Comicfestival

Erlangen ist ein Vorort von Berlin! – 18. Comicsalon in Erlangen

Wird alles anders – Beim 18. Comicsalon in Erlangen trifft sich auch die Berliner Comicszene

Flix – Carlsen Comics

Erlangen ist ein Vorort von Berlin! War es schon immer, denn die Berliner waren von Anfang an besonders stark vertreten bei diesem Treffen der deutschen Comicszene, das in diesem Jahr zum 18. Mal stattfindet. Da tauchte als ­einer der Initiatoren des Salons Hansi Kiefersauer auf, ­Preise ­gingen an Seyfried, ©Tom, Flix, Andreas Michalke, Hannes Hegen, Mawil und gleich mehrfach an Reinhard Kleist. Und die Comics des Berliner Verlags Reprodukt dürften unter den Nominierten einsam an der Spitze liegen. Spätestens mit der Einrichtung der neuen Hochgeschwindigkeits­strecke der Deutschen Bahn, die die 450 Kilometer in unter drei Stunden abfährt, ist die fränkische Hugenottenstadt ein attraktives Ausflugsziel geworden.

Doch Vorsicht: In diesem Jahr wird alles anders! Die Heinrich-Lades-Halle unter dem Erlangener Rathaus wird seit 2017 komplett renoviert. Also stand das Kulturamt vor der Wahl, den Comic-Salon in diesem Jahr entweder ausfallen zu lassen oder zu improvisieren. Und so findet das Festival, das ja sowieso schon immer die ganze Stadt einband, in diesem Jahr in Zelten statt, die auf dem Schlossplatz, dem Hugenottenplatz und im wunderschönen Schlossgarten stehen werden. Dazu kommen Ausstellungen im Stadtmuseum, im Kunstmuseum, dem Redoutensaal und vielen Geschäften in der ganzen Stadt, sowie Dutzende von Panels, Diskussionen und Bühneninterviews und ein ausgedehntes Kinderprogramm.

Herzstück der Ausstellungen dürften in diesem Jahr die große Flix-Schau und die Arbeitsproben des Kanadiers Jeff ­Lemire sein. Der eine, der Wahlberliner Flix, hat sich mit ­seinem warmherzigen Humor und dem fast schon unheimlichen Fleiß an die Spitze der internationalen Comicszene gearbeitet; in diesem Sommer darf er sogar eine Ausgabe des franko-belgischen Klassikers „Spirou“ machen.

Lemire dagegen – dessen Werkschau vom „Tagesspiegel“-Redakteur Lars von Törne kuratiert wird – ist einer der interessantesten Künstler Nordamerikas. Seine Arbeiten umfassen so wunderbare persönliche Independent-Comics wie die „Essex County Trilogy“ und „Der Unterwasserschweißer“, innovative Science-Fiction-Storys wie „Sweet Tooth“ und „Descender“, aber eben auch lesenswerten Superheldenstoff wie „Thanos“ und „Justice League Dark“. Lemire sprengt mit seiner Vielseitigkeit alle Genregrenzen. Im E-Werk arbeitet sich derweil ein anderer Berliner, der „Epidermophytie“-Chefredakteur Andreas Hartung (Markenzeichen: immer schlechte Laune), an H.P. Lovecraft ab; das dürfte ziemlich düster und sehr lustig werden.

Vielleicht – so die Hoffnung – ist ja das improvisierte Zeltprogramm sogar eine Jungbrunneninjektion für den Salon, der in den letzten Jahren schon sehr gediegen und berechenbar geworden war. Dann könnte man doch glatt darüber nachdenken, Erlangen in Berlin einzugemeinden.

Das komplette Programm des 18. Comicsalon Erlangen kann man unter www.comic-salon.de abrufen