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Esoterik in Berlin: Wie Spiritualität zum Hipster-Phänomen wurde

Tarot, Tierkreiszeichen, Taoismus: Künstler*innen und junge Intellektuelle in Berlin begeistern sich zusehends für Spiritualität und Esoterik – als Sinngeber abseits der großen Weltreligionen in einer Zeit der Krise. Wie passen Verstand und der Glaube ans Irrationale zusammen? Ein Streifzug durch die okkulte Stadt.

Auf zu anderen Ufern des Bewusstseins: ein psychedelisches Graffito in einem Hinterhof an der Rosenthaler Straße. Foto: Imago/Imagebroker

Das esoterische Wunderland, das in der Bohème dieser Stadt erblüht, ist bunt wie ein Fabelwesen. Petja Ivanova, 34, besucht immer wieder dieses Reich. Seine Wirkmacht soll sich in Chakren und im Chi, in Sterndeutungen und meditativer Erleuchtung entfalten.

Die Künstlerin, Mutter eines kleinen Sohns, untersucht astrologische Konstellationen, hat sich schon Tarot-Karten legen lassen und rituelle Farböle gekauft. Sie studiert mystische Lehren aus der Kabbala und taoistischen Überlieferungen – und stimuliert ihren Körper mittels Ovarien-Brust-Massagen oder Berührungen nach der so genannten Pantarei-Methode, einer heilpraktischen Entspannungstechnik.

„Ich wollte ein glückliches Selbst sein und mehr Value zu meinen Beziehungen beitragen“, sagt sie über den Ursprung ihrer Odyssee. „Ein Typ mit toxischen Eigenschaften“ sei sie zuvor gewesen. Sie erzählt dabei von einem „Breakup“, womit sie die schmerzhafte Trennung von einem Freund meint. „Was will ich eigentlich?“, diese Frage sei ihr „Issue“. Es geht ihr darum, „keine Gefühle mehr zu unterdrücken“.

Esoterik in Berlin: Zwischen Heilpraxis, Seminarraum und Galerie

Petja Ivanova, in Halberstadt aufgewachsen, ist außerdem linke Kosmopolitin zwischen Seminarraum und Galerie, die von prä-abrahamitischen Religionen erzählt, also jenen Glaubensströmungen, die vor der Geburtsstunde von zwei großen, expansiven Weltreligionen eine Rolle spielten, dem Christentum und Islam.

Dort hätten Frauen arbeiten können. Es herrschte Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern. Ein Exkurs, der verdeutlichen soll, dass ihr Hang zu unkonventionellen Glaubensmustern auch eine Abkehr von den Männerdomänen der monotheistischen Religionen ist.

Zurzeit promoviert Ivanova, die an der Universität der Künste studiert hat, über „paradisziplinäre Design-Mythologie“. Eine Studie darüber, wie Hexenkult oder Tarot in visuelle Ästhetiken fließen könnten.

Längst nicht nur verspult und verschwörerisch

Petja Ivanova sucht Heil in einer Praxis, die man bislang mit verspulten Energieheilerinnen auf „Astro-TV“ in Verbindung gebracht hat, mit Flat-Earth-Theoretikern und anderen Alu-Hüten, vielleicht sogar mit Rechtsextremen auf Corona-Demos in Berlin-Mitte, die an völkisch-nationalistische Verschwörungstheorien glauben.

Esoterik in Berlin: Heilsteine, Karten und andere Wundermittel: eine handelsübliche Ausstattung. Foto: Fotosasch/stock.adobe.com
Heilsteine, Karten und andere Wundermittel: eine handelsübliche Ausstattung. Foto: Fotosasch/stock.adobe.com

Dabei ist der Glaube an übernatürliche Phänomene mehr als das Programm einer spinösen Freak-Show. Allein in Deutschland setzen Gurus, Magier und spirituelle Meisterinnen jährlich zwischen 25 und 35 Milliarden Euro um.

Sie buhlen um die Aufmerksamkeit einer postsäkularen Gesellschaft, die empfänglich ist fürs Unerklärliche: Bereits 2016 ergab eine YouGov-Umfrage, dass jeder Zweite an Schutzengel glaubt, jeder Dritte davon überzeugt ist, dass einige Menschen hellsehen können, und 30 Prozent sich vorstellen können, einen esoterischen Heilsbringer zu konsultieren – oder sogar schon dessen Dienste beansprucht haben.

Selbstfindungsreise in Altbau-Wohnungen

Überraschend ist dabei das Faible junger Großstadtakademiker*innen wie Petja Ivanova, die in Altbau-Wohnungen leben, an geisteswissenschaftlichen Fakultäten oder Kunsthochschulen studiert haben und sich für Feminismus und postkoloniale Theorie interessieren.

Von den zahlreichen Yoga-Studios in Berlin und Meditationszentren, jenen Heilstätten mit fernöstlicher Tradition, deren lindernde Wirkung mittlerweile von Schulmediziner*innen beglaubigt worden ist, finden sie zu paranormalen Stationen auf ihren Selbstfindungsreisen. Man könnte auch sagen: Esoterik ist in Berlin ein Hipster-Phänomen geworden.

Leif Randt, Autor der Achtsamkeit

Da wäre beispielsweise Leif Randts exemplarischer Zeitgeist-Roman „Allegro Pastell“, der das Lebensgefühl in Neuköllns Szene-Kiezen einfängt – das Kultbuch des Autors, im Frühjahr 2020 erschienen, ist die literarische Verarbeitung des Trends. Es handelt nicht nur von einer Liebesbeziehung zwischen einer Schriftstellerin und einem Webdesigner, sondern auch von einer fließenden Seinsweise, genährt von grünem Tee und maßvollen Emotionen.

Esoterik in Berlin: Eckhart Tolle als Lektüre während einer "Extinction Rebellion"-Protestaktion am Potsdamer Platz 2019.   Foto: Imago/IPON
Eckhart Tolle als Lektüre während einer „Extinction Rebellion“-Aktion am Potsdamer Platz, 2019. Foto: Imago/IPON

Randt leitet sein Werk unter anderem mit einem Zitat des Achtsamkeitspapstes Eckhart Tolle ein – jenes quasi-religiösen Mentors mit Wohnsitz in Kanada, dessen Millionen-Bestseller „Jetzt – Die Kraft der Gegenwart“ auch mehr als zehn Jahre nach Veröffentlichung noch Absatz findet, zwischen Büchern über die Heilung des inneren Kinds und Paulo-
Coelho-Kitsch. „Einige spirituelle Lehren sagen, dass aller Schmerz letztendlich eine Illusion ist, und das ist wahr“, besagt der Glaubenssatz zu Beginn des Romans. Typisch für esoterische Versprechen: die Neutralisierung irdischer Leiden.

Von taz bis Transmediale: Esoterik hat ihren Platz in Berlin

Esoterische Sehnsüchte hegt auch die taz-Kolumnistin Hengameh Yaghoobifarah, eine Stimme der jungen, herrschaftskritischen Linken, erst recht seit ihrer aufsehenerregenden Glosse über deutsche Polizist*innen, die sie auf einer „Mülldeponie“ gut aufgehoben sieht. Die Queer-Feministin schwört auf Astrologie – und sinniert in Artikeln und ihrem Podcast „Auf eine Tüte“ über die Bedeutung von Sternzeichen.

Oder Luiza Prado de O. Martins, 36, Künstlerin sowie Beraterin des Kuratoriums beim interdisziplinären Festival „Transmediale“. Die Exil-Brasilianerin mit Doktorgrad legt Tarot-Karten und lässt sich im schöpferischen Prozess von den Metaphern der Bilder inspirieren.

Seichte Ausläufer der Welle sind Instagram-Kanäle, die „Third Eye Thoughts“ oder „The Goddess Power“ heißen, digitale Pinnwände zwischen Tiefsinn, Kalenderspruch und Tibet-Reise.

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So wie der Podcast „Happy, Holy & Confident“ der Berlinerin Laura Malina Seiler (Eigenbeschreibung: „Visionärin, Coach, Autorin“), schon mehr als 25 Millionen Mal heruntergeladen – Selbstoptimierung für weibliche Millennials, angestoßen im Sound einer superentspannten Yoga-Session. Zum Start ins neue Jahr versprach Seiler, 34, den „spirituellen Tune-In“. Und wirbt auch sonst auf ihrer Website für die „Higher Self App“.

Oder TV-Star Palina Rojinski, 35, ebenfalls aus der Hauptstadt. Zuletzt hat sie die Karaoke-Show „Sing On! Germany“ auf Netflix moderiert – als Sidekick in der Pro-Sieben-Abendshow „Circus HalliGalli“ ist sie berühmt geworden. Rojinski verkauft eine stellare Modekollektion namens „Astrolinski“. Darunter Longsleeves mit zwölf Motiven, einmal durch die Welt der Horoskope, von Widder bis Fisch.

Einflüsse aus den USA befreien Esoterik vom Klosterfrau-Melissengeist-Ruf

Die neue Lust an der Spiritualität wird auch in die Formensprache der Popmusik gegossen, jedenfalls in den krisengeschüttelten USA. Lizzo, eine Ikone der Body-Positivity-Bewegung, die sonst Rap und R’n’B intoniert, spielte 2020 via Instagram ein Flötenkonzert vor Rosenkranz und Räucherstäbchen.

Die Neo-Soul-Sängerin SZA kreierte mit Percussions erhebende Klangbäder – und zeigte das Ganze auf dem gleichen Social-Media-Dienst. Und Kanye West gründete schon 2019 die Gospel-Gruppe „Sunday Service Choir“, deren Erstlings-Album „Jesus is King“ hieß.

Überhaupt sind die USA soziokultureller Taktgeber im jüngsten Hype ums Numinose. Ein Beispiel ist das Buch „You Were Born For This – Es steht in deinen Sternen“ der Astrologin Chani Nicholas, die in L.A. lebt, eine wichtige Figur der LGBTIQ-Community, liiert mit einer Aktivistin, die sich für Opfer von häuslicher Gewalt einsetzt. Nicholas befreit mit ihrer Kosmologie die Deutung des Sternenhimmels von ihrem Klosterfrau-Melissengeist-Ruf. Auch auf der anderen Seite des Atlantiks, in Deutschland.

Während der Corona-Pandemie dürfte der Esoterik-Boom nicht gerade kleiner geworden sein. Spiritist*innen wollten sich noch tiefer in die Kathedralen des Bewusstseins meditieren. Neu-Einsteiger*innen entdeckten erstmals ihr Interesse – in einer Umbruchphase, die Sinnfragen aufgeworfen hatte. Die Leere auf den Straßen, die Stille zu Hause sorgten für unbehelligte Atmosphäre.

Beatniks entdeckten Zen, 68er pilgerten in Ashrams

Dabei reiht sich der Mystik-Trend in eine lange Geschichte. Fin-de-Siècle-Künstler im Frankreich des späten 19. Jahrhunderts, die Dichter des Symbolismus etwa, glaubten an die Beseeltheit des Kosmos, an unsichtbare Bänder zwischen Menschen, Tieren und Pflanzen. Die Beatniks entdeckten das Zen, die 68er pilgerten in Ashrams.

Heute betreibt Petja Ivanova, jene Künstlerin, die auf der Suche ist, ein Atelier an der Oranienstraße, das „Studio für poetische Zukunft und spekulative Ökologien“. Dort macht sie Kunst, die unter anderem Naturmaterialien verarbeitet. Und nennt ihr spirituelles Mindset, das nicht nur therapeutisches Mittel ist, eine „rebellische Epistemologie“. Es gehe darum, sich „mit anderen Wissensformen zu beschäftigen“, sagt sie.

Der ganze Eso-Kram ist, wissenschaftlich betrachtet, großer Quatsch

Hubert Knoblauch ist Religionssoziologe an der TU und Autor des Buchs „Populäre Religion – Auf dem Weg in eine spirituelle Gesellschaft“. Er sagt: „Esoterik war schon immer Gegenkultur. Dahinter steht eine Grundhaltung, die sich gegen hegemoniale Vorstellungen von Religion wendet. Künstler und Kreative haben schon immer Aspekte der Nicht-Mainstream-Kultur mit großem Interesse verfolgt.“

Esoterik nennt der Wissenschaftler ein „Insiderwissen, das ohne Überprüfung durch unmittelbare Einsicht auskommt“. Logisch: Der ganze Eso-Kram ist, wissenschaftlich betrachtet, großer Quatsch. Dennoch floriert dieses Sinnangebot. Abseits der Philosophie, die meistens keine Lebenshilfe mehr leistet, und einer evidenzbasierten Psychotherapie.

Früher war das anders. Tarot zum Beispiel: Die Karten, die archetypische Symbole wie Narr und Herrscher, Kraft und Sonne zeigen, haben schon den Psychoanalytiker C. G. Jung fasziniert. Der Freud-Schüler, ein Mystiker unter den Seelenkundlern, betrachtete die Memes als Bausteine des menschlichen Reifeprozesses.

Karten legen bei der „Cult Mother“

Wer wissen will, wie die kleinen Artefakte wirken sollen, könnte eine Sitzung bei der Kartenlegerin „Cult Mother“ buchen. Ihr bürgerlicher Name ist Hannah Joy Graves. Die 35-Jährige hat früher den Tattoo-Shop „AKA“ in Neukölln betrieben, war außerdem Marketing-Managerin in einem Start-up. Mit viel Tätowier-Tinte unter der Haut verströmt sie den Look einer Punk-Queen.

Esoterik in Berlin: Hannah Joy Graves befragt als "Cult Mother" die Tarot-Karten. Foto: Harry Schnitger
Esoterik in Berlin: „Ich bin weder Wahrsagerin noch habe ich übersinnliche Kräfte“, sagt Hannah Joy Graves. Foto: Harry Schnitger

In Zeiten der Pandemie wäre das Treffen eine Zoom-Konferenz. „Ich bin keine Wahrsagerin, und ich habe auch keine übersinnlichen Kräfte“, entzaubert sie naive Erwartungen. Stattdessen scheint ein Vis-à-vis mit der „Cult Mother“ einer Meditation zu ähneln. Es geht unter anderem „ums Pausieren, Reflektieren, Fragen stellen, Sich-Verbinden“, sagt sie.

Tarot als Sprungbrett ins Unbewusste

Die Menschen, die ihr kleines Institut besuchen, schleppen meistens eine existenzielle Frage mit sich herum. Ein Klassiker zum Beispiel: „Soll ich meinen Job kündigen?“ Die „Cult Mother“ legt ihr Werkzeug aus, häufig eine Kombination von zehn Tarot-Karten. Sie fragt nach den Gefühlen beim Anblick der symbolträchtigen Bilder, wie eine gute Freundin.

Der Klient entspinnt eine gedankliche Reflexion, um die innere Stimme herauszuschälen. Ja oder nein? Tarot als Sprungbrett ins Unbewusste: „In neun von zehn Fällen sagen die Leute, sie hätten die Antwort auf ihre Frage schon vorher gewusst – und hätten sich bloß Klarheit verschaffen wollen“, sagt die Mentaltrainerin.

Catherine Schmidt ist Grafikdesignerin mit spiritueller Ader. Foto: Dylan Lee Lowry

Eine Künstlerin, der esoterische Praxis eine Orientierung verleiht, ist die 28-jährige Catherine Schmidt. Die Exil-Amerikanerin, die Grafikdesign und Computerwissenschaften im US-Staat Rhodes Island studiert hat, gestaltet Websites und kleine Magazine, experimentiert zudem mit ausgefallenen Typografien. Sie ordnet ihren Kalender nach dem Zyklus des Saturn, der immer für eine bestimmte Phase in einem Tierkreiszeichen verweilt – zurzeit im Areal des Wassermanns. Als er seinen Streifzug begann, fasste sie Pläne für diesen Zeitraum. Denn der Saturn steht für Struktur und Verlässlichkeit.

Astrologie ist eine anthropologische Konstante

Der Blick in die Sterne sei „menschliches Bedürfnis“, sagt Schmidt. Eine anthropologische Konstante, deren Wurzeln in frühere Epochen zurückreichen. Ob ins alte Mesopotamien, ins chinesische Kaiserreich, ins byzantinische Imperium, in die Vergangenheit der Maya-Zivilisation.

Tarot wiederum nimmt Einfluss auf Schmidts künstlerische Identität. Als sie etwa mit einem Kollektiv den „Sari Sari Salon“ im Neuköllner Schillerkiez gründete, ein kleiner Kiez-Treff mit Küche und Happenings, griff sie ins Kartendeck – und zog den Papst. Eine Figur, die Religion, Weisheit und moralische Autorität verkörpert. Fortan wollte Schmidt ihre Erfahrung als Tochter einer presbyterianischen Familie ins Programm einbringen, als Kümmererin mit spiritueller Ader.

Wäre das schon anti-aufklärerisch?

Angesichts einer Community, die weltoffen und progressiv ist, erstaunen die Sympathien für esoterische Ideen. Vor allem Linke würden normalerweise über derlei Fantastik zürnen. In einem legendären Wutausbruch ätzte einmal ein Impresario der Gesellschaftskritik, der stets grantelnde Theodor W. Adorno, über Geisterglauben. In seiner 1951 erschienen Textsammlung „Minima Moralia“ schlug er unter anderem die „Thesen gegen den Okkultismus“ ans philosophische Brett – dabei nannte er esoterische Betätigung eine „Metaphysik der dummen Kerle“.

Klar, der Blick in die vermeintlichen Orakel von Himmelsbildern und Spielkarten ist auch heikel. Die Vorstellung dahinter, so scheint es: dass unser Dasein von überirdischen Gesetzen determiniert sein könnte. Womit die Magna Charta des Humanismus bröckeln würden, die Idee der Selbstbestimmung, die Idee freier Entfaltung.

Könnten dann nicht auch andere Merkmale die Persönlichkeit bestimmen – ob jemand Mann, Frau oder Transgender ist, aus Arbeiterklasse oder Oberschicht stammt, in New York, Nowosibirsk oder Nairobi aufgewachsen ist? Ein Denken, das anti-aufklärerisch wäre.

„Placebo-Effekte sind auch Effekte“

Aber vielleicht ist Esoterik oftmals überhaupt kein Baustein eines übergeordneten Glaubenssystems, sondern nur Mittel zum Zweck. Die erhoffte Wirkung, trotz fehlender Beweise im Labor: hin und wieder ozeanische Gefühle der Verschmelzung, wie sie auch weltliche Vergnügen bereiten. Ob das Panorama einer atemberaubenden Naturkulisse, die Klimax eines Konzerts, der ekstatische Jubel während eines Fußballspiels.

„Placebo-Effekte sind auch Effekte“, sagt Hubert Knoblauch, der Fachmann, der die spirituelle Note unserer Gesellschaft untersucht, über die unbegründete Heilserwartung in der esoterischen Bewegung. Er stellt auch fest: „Unsere Gesellschaft ist nicht weniger religiös geworden.“

Das eigene Selbst kurieren

Die Esoterik füllt ein Vakuum, das die traditionellen Institutionen hinterlassen haben. Weil sie top-down sind, von der Kanzel herab, oft patriarchalisch. Ob in katholischen Münstern und Domen, evangelischen Gemeinden, Moscheen. Eine Gemengelage, die auch erklären könnte, warum mehr Frauen als Männer das Übersinnliche abseits der großen Religionen suchen – sie streben nach Unabhängigkeit. Laut einer Studie sind Frauen rund 20 Prozent häufiger spirituell veranlagt als Männer.

In dieser Alternativkultur kann man dann nach individuellem Plan das eigene Selbst kurieren. So zumindest die Verheißung. Künstlerinnen und Künstler, die sich von Esoterik und Spiritualität inspirieren lassen, repräsentieren dabei einen Trend, der schon immer im gesellschaftlichen Mainstream verankert gewesen ist.


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