Essen & Trinken

Anatomie einer Bar: Raumfahrer

Raumfahrer1 Wodka-Orangina
Rezeptur und Name des französischen Kultsoftdrinks sind seit 1936 unverändert, die klassische 0,25-l-Glasflasche in bauchiger Oran­genform liegt gut in der Hand. Den Hauscocktail Wodka-Orangina mixt der Gast dann prak­tisch selbst. Einfach einen Schluck abtrinken und mit dem Hauswodka Held oder Absolut oder Grasovka auffüllen lassen. Tipp: Orangina ist ein Fruchtsaftgetränk mit Fruchtfleisch. Deshalb sollte es vor dem Genuss geschüt­telt werden, damit sich Fruchtfleisch und Saft optimal vermischen und sich der volle Geschmack entwickelt.

2 Stadionzeitung von Türki­yem­spor Berlin
Erstmals erschien die Stadionzeitung „Bizim takэmэmэz“ (deutsch: unser Team) in der Saison 2005/06, allerdings anfangs noch unter dem Namen „penaltэ noktas“ (deutsch: Elfmeterpunkt). Die Zeit­­schrift erscheint zu jedem Punktpflichtspiel der 1. Herrenmannschaft des Türkiyemspor Berlin e.V. sowie mit Sonderausgaben zu ausgewählten Pokalspielen, A-Jugend-Begegnungen und Vereinsfesten. Das Heft wird von Mitgliedern des Fördervereins Türkiyemspor in Deutsch und Türkisch mit vereinzelt englischen Beiträgen erstellt und vom Türkiyemspor Berlin e.V. herausgegeben. Die Auflage beträgt normalerweise 500 Stück. Zu besonderen Spielen wie gegen Hertha BSC ist sie auf 1000 erhöht. Die Stadionzeitung liegt bei Heimspielen am Stadioneingang des Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportparks sowie bei Partnern und Freunden des Vereins, zum Beispiel im Raumfahrer.

3 Haussupermarkt
Der Raumfahrer-Haussupermarkt ist ein nicht verkaufsorientierter Service für die Gäste. Der wohl kleinste Supermarkt Berlins wird je nach Saison täglich neu mit Kleinigkeiten aus dem Spätkauf nebenan befüllt. Yam-Yam-Nudeln, Kondome, Hundefutter und andere Gimmicks und Hilfen für die Nacht werden zum Selbstkos­tenpreis abgegeben oder in Notsituationen an besonders charmante Gäste verschenkt.

4 „der Schwein“

Das Haustier der Bar wurde von Bruno Montani mit seinem Talent für unwichtige Details in Polen am Straßenrand gefunden. Dank Brunos immer noch starken französischen Akzents erhielt der Dauergast der Bar den liebevollen Beinamen „der Schwein“.

5 Glücksstein
In dem irgendwo in der Bar platzierten Minisportflitzer befindet sich ein Glücksstein für alle. Bei dem bunten, hühnereigroßen Kris­­tall handelt es sich um einen Tur­ma­lin. Da dieser in allen Regenbogenfarben strahlen kann, wurde er schon in der Antike als Schutz- und Heilstein verehrt und als Amu­lett um den Hals getragen. Die ers­ten Turmaline, die im 18. Jahrhun­dert nach Westeuropa gelangten, stammten aus Sri Lanka (Ceylon). Das bekannteste Beispiel für die Verwendung von Turmalinen dürf­te die Meisterschale der Fußball-Bundesliga sein. Diese ist mit insgesamt 16 Turmalinen besetzt.

6 Glas für alles
In diesem Glas werden im Raumfahrer Single Malt, Pastis, Martini, praktisch also alle unverdünnten hochprozentigen Spirituosen wahl­weise mit oder ohne Eis serviert. Diesmal gibt es Sekt mit Aperol. Das Konzept ist dem Pragmatis­mus der Barleitung geschuldet. Schließ­lich gibt es die Gläser in jedem Supermarkt, und alle anderen Glä­ser bekommen zu schnell Füße – diese nimmt garan­tiert keiner mit.


Recherche und Text
: Susan Schiedlofsky

Foto
: Christine Görs


Raumfahrer Hobrechtstraße 54, Neukölln, Tel. 0176-64 21 52 51, Mo-Sa ab 19 Uhr

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