Essen & Trinken

Anhängsel oder Understatement

Berlin ist bekannt für seine tolerante Kleiderordnung. Doch letztens in einem neueröffneten Restaurant wähnte sich die Durchschnittsfrau in einer Castingshow wie Germanys Next Top Model oder Das perfekte Model. Umgeben von elfenzarten Wesen in teuren Design­kleidchen, die mal kunstvoll mit den weiblichen Reizen spielten, sie mal verdeckten. Perfekte Haare, Nägel, Make-up, gekonnt über Holzdielen und andere Unebenheiten balancierend auf Highheels – der Waghalsigkeit eines Bergsteigers ebenbürtig. Die Mädels machten Eindruck, allerdings auch den, dass sie nicht allein existieren, geschweige denn überhaupt den Abend überleben könnten. Ein Mann musste immer an die Seite – oder sie an seine Seite?

Am selben Abend an einem andern Ort: Ein paar Straßen weiter in einer Bar in der Friedrichstraße pflegen die Frauen zu später Stunde ein anderes Understatement. Der Mann als Lustobjekt? Sie wollen sich amüsieren und eventuell auch mehr als das. Auch dazu gehört ein beeindruckendes Outfit, und die Mädels könnten in jedem Fashion-Magazin abgelichtet werden. Aber: Auch im Casual Look, ungeschminkt, mit improvisierter Frisur und in Turnschuhen gab es als weiblicher Gast nichts zu meckern an Service, Drinks und Gesprächen. Na ja, vielleicht fehlte es an Erotik, aber wer will die schon an jedem Wochenende? An der speziellen Berlintoleranz fehlt es jedenfalls nicht.

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