Essen & Trinken

Anspruchsvolle Weine aus Slowenien

Juergen_Hammers_c_Mary_Ann_Weber_Hipi.jpgEin Freund hatte ihn aufmerksam gemacht auf slowenische Weine. Deshalb reiste Jürgen Hammer 2006 zum ersten Mal nach Slowenien in das Weingebiet, das seit Habsburger Zeiten bis zum Zweiten Weltkrieg für seine Weinproduktion berühmt war. In Zeiten des Sozialismus gab es wenig Anreize, qualitativ anspruchsvollen Weinbau zu betreiben. Ein paar Privatwinzer produzierten eine kleine Menge, aber eher für den Eigenbedarf. Ansonsten wurde Wein in besonderen Mischbetrieben hergestellt.
Jürgen Hammer reiste über Triest in die Primorje. Diese Region ist eines der drei Weinanbaugebiete des Landes und liegt im Westen an der italienischen Grenze. Hier befindet sich das am besten  entwickelte Weinbaugebiet Goriљka Brda (Görzer Hügelland) und reicht bis zum Karst.

Schon vor der Reise hatte Hammer den Winzer Joschko Gravner kennen gelernt. „Dieser Mann verkörpert der Entwicklung des slowenischen Weinanbaus“, sagt Hammer. „Er ist sozusagen ihr Spiegelbild.“ Denn der Winzer hat seine Weine dem Zeitgeist entsprechend schnell und einfach mit Zuchthefe und im Edelstahltank ausgebaut. Bekannt war und ist jedoch eine spezielle slowenische Art der Weißweinproduktion. Dabei wird der Wein auf der Maische stehengelassen, und es findet eine starke Extraktion statt. So kommt es zu einer größeren Farbausbeute und zu einer Orange-Tönung. Geschmacklich erinnert der so ausgebaute Weißwein an Rotwein – der Gerbstoffe wegen.

Anfang der neunziger Jahre gab es mal eine Phase, da stand der slowenische Weißwein auch schon mal 30 Tage auf der Maische – wie sonst nur bei Rotweinen üblich. „Das war partiell schon eine schräge Nummer!“ Und diese Strenge im Geschmack war nicht für jedermann. Doch dieser Extremismus ist verschwunden, denn er ging auf Kosten der Fruchtigkeit. Die traditionelle Stilistik hat sich durchgesetzt, der Wein liegt ein paar Tage auf der Maische. Rund sechs Weine aus Slowenien hat er im Repertoire, „alles natural wine, d.h. keine Chemie im Weinberg und im Keller und nur wenig Schwefel bei der Flaschenfüllung, um die Weine stabil zu machen.“

Text: Eva-Maria Hilker

Foto: Mary-Ann Weber / HiPi

Hammers Weinkostbar Körtestraße 20, Kreuzberg, Tel. 69 81 86 77, www.hammers-wein.de, Mo-Fr ab 14 Uhr, Sa 12-16 Uhr

Weine: Weiß: 2009 Malvasia (22,50 Ђ), 2009 Rebula (22,50 Ђ), 2009 Jakot (Tokay Friulano, 22,50 Ђ), 2003 Verduz (43 Ђ); Rot: 2006 Quela (Merlot & Cabernet Sauvignon, 27,50 Ђ);

Weingut Franco Terpin, Venezia Guilia: Weiß: 2006 Sialis Pinot Grigio (22,50 Ђ), 2007 Ribolla Gialla (22,50 Ђ)

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