Essen & Trinken

„Anti-?Smoothie“ von Clemens Niedenthal

Das Auge isst mit. Also Augen zu und durch. Denn das, was da gerade in New York als neuester kulinarischer Heilsbringer (und das im Wort­sinne) kursiert, sieht wirklich nicht gut aus. Eine trüb­braune Brühe, zu stumpf für einen frisch gemosteten Apfelsaft, zu wenig Crema für den neuesten besten Espresso der Stadt. Dafür soll das in schnöden Pappbechern gereichte Getränk die Gelenke stärken, die Laune erhellen, die Haut straffen und die Haar­wurzeln stärken. Abführend wirkt Knochen­brühe schon mal, so viel ist sicher. Braun ist also das neue Grün. Nach dem Hype um die Smoothies – die kalt (!) gepressten Rohkost­säfte – geht eine gleichsam trend- wie gesund­heitsbewusste Ernährung nun also bis ins Mark. Und vermutlich passt es sogar ziemlich gut in diese neue Lebensmitteltrend­erzählung, dass dieser Drink so trüb ist. Immer geht es doch um Distinktion und Differenz: Dort der frühlings­farben­frohe Avocado-Brokkoli-Smoothie – Knochenbrühe aber, das ist der Herbst, nein, der Winter im Glas. Apropos Trend­erzählung: Wirklich neu ist an der Knochen­brühe natürlich nur, dass sie das Alte an der Knochen­brühe so herzhaft ignoriert. Eine gute Suppe nämlich, der Fond nicht aus der Dose, sondern vom ausgekochten Ochsenknochen, hat schon so manche Grippe besiegt. Suppe passt aber, zugegeben, nicht so gut in die Nuckel­flasche fürs Fitness­studio.

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