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Ari’s: Peruanisches Diner in der schönsten Garage der Stadt

Arianna Plevisani hat während ihres Studiums in New York die sagenhaften Sandwiches in den Bodegas geliebt. In Berlin hat sie im Ora und im Château Royal gekocht und nun ihr eigenes Restaurant Ari’s eröffnet – unkompliziert, durchdacht und auf den Tellern wahnsinnig lecker. Zu Besuch an einem dieser Orte, für die wir Berlin noch immer so lieben.

Eine Garage, ein Hinterhof und die gelebte Kreuzberger Utopie: das ziemlich wunderbare Ari‘s in der Glogauer Straße. Foto: Marianne Rennella

Arianna Plevisanis neues Restaurant, das ist eine umgebaute Autogarage in einem Hinterhof auf der Glogauer Straße. Daran, dass das Ganze mal eine Garage war, erinnern die beiden großen Tore zu beiden Seiten, wovon eines als Eingang dient und das andere zur großen Terrasse hinausführt. Ari’s Außenbereich ist eingebettet in die Kreuzberger Hinterhoflandschaft, man sitzt ruhig und rustikal-charmant an Metalltischen und auf weißen Monoblocks neben großen Tontöpfen, in denen blühende Pflanzen gedeihen. Der cool und einladend gestaltete Innenbereich ist angelehnt an ein modernes Diner, denn Plevisani liebt die (nicht ausschließlich US-amerikanische) Diner-Kultur: gepolsterte Bänke, eine Ketchup-Flasche auf jedem Tisch, die Farbwahl von Weiß und Rot und der breite Tresen, der die offene Küche rahmt.

Bodega-Kultur im Hinterhof: Das Ari’s macht das perfekte Sandwich

Meistens sieht man Plevisani dort am Pass stehen und finalisieren, was ihr Team auf dem großen Grill zubereitet hat. In weißes Papier wickelt sie das „Ari’s Chop Cheese“ ein und teilt es einmal in der Mitte, damit man es überhaupt essen kann. Denn dieses Bodega-Sandwich ist üppig belegt mit Chopped Cheese, einem aus New York stammenden Klassiker, bei dem Käse und Rindfleischpattie auf dem Grill miteinander verschmolzen und mit etwas Zwiebel, Tomate und Salat garniert werden. Es vereint Schärfe, Süße, Fett und Salzigkeit und ist eine köstliche Hommage an die Metropole. Genauso wie Diner liebt Plevisani nämlich auch New York. Dort studierte sie Anthropologie und die sättigenden Sandwiches der Bodegas – kleine, nachbarschaftliche Lebensmittelläden mit langen Öffnungszeiten und einem günstigen Speiseangebot.

„Spicy Green Goddess“ im Ari’s, einer der besten Beilagensalate der Stadt. Foto: Marianne Rennella

Ein Auslandssemester brachte sie nach Berlin, wo sie nach Abschluss ihres Studiums einen Job in der Kunst fand und herzog. Nach ein paar Jahren wechselte sie in die Techbranche und blieb dann wegen der Liebe in Berlin.

Ursprünglich aber kommt Plevisani aus Lima in Peru, sie wuchs dort in einer Familie von Restauranteuren auf. Dadurch sei ihr immer klar gewesen, dass sie selbst niemals in die Gastronomie wolle – bis eine Freundin aus Berlin sie eines Tages fragte, ob sie ihr bei einem Pop-Up in Island helfen wolle. So fand die heute 35-Jährige vor mittlerweile acht Jahren ihre wahre Berufung und wechselte unmittelbar vom Büro in die Küche.

Arianna Plevisani kochte unter anderem im Ora und im Château Royal und hostete Pop-Up-Dinner im Julius Ernst. Mit dem Ari’s erfüllte sie sich Ende Mai schließlich den Traum vom eigenen Restaurant und eröffnete ein Lokal, das den ganzen Tag aufhaben darf. So wie die Bodegas damals in New York. Zum Brunch (die Frühstückskarte gibt es den ganzen Tag über), zum Lunch, zum Dinner und dazwischen.

Ein Lokal, das den ganzen Tag aufhaben darf

Das Ari’s sollte ein Ort werden, an dem es nicht merkwürdig sei, wenn man alleine kommt oder einen Tisch verrückt, so die Inhaberin. Ihr niederschwelliger und inklusiver Ansatz äußert sich auch in Form eines zehnprozentigen Rabattes für alleinerziehende Mütter oder den sehr fairen acht Euro für ein volles Glas Pinot Grigio oder Prosecco, die es, genau wie das Bier der Berliner Berg Brauerei, vom Fass gibt.

Vor allem aber zeigt sich Plevisanis Grundgedanke von unkomplizierter, doch durchdachter Gastronomie in ihren Speisen. Sie serviert Gerichte, die alle kennen, vertraute Geschmäcker, die sie aufbricht, ohne dass sich diese dadurch zu weit vom geliebten Original entfernen. Der smashed Cheeseburger kommt beispielsweise mit ihrer eigenen Aji-Amarillo-Soße. Dieses Chiliöl macht auch die „Spicy Green Goddess“, eine Portion grob geschnittenen Eisbergsalat auf einem cremigen Dressing mit frischem Schnittlauch, zu einem der besten Beilagensalate der Stadt. Plevisanis peruanische Herkunft prägt das Menü insgesamt, am Wochenende beispielsweise in Form von Ceviche oder Peruvian Roasted Chicken, desserttechnisch mit Churros, zu denen es eine heiße, vegane Schokoladensoße und einen südamerikanischen Kokospudding gibt.

Und dann wäre da noch was: Tiramisù. Arianna nennt es „my favorite dessert in the world“. Möglicherweise stammt dieses Rezept von Plevisanis römischem Vater, vermutlich ist es aber einfach ein Resultat ihres kulinarischen Feingefühls. Zart und weich ist die Mascarponemasse im metallenen Eisbecher, das Biskuit hingegen strotz vor Kaffee und Likör. Auf der dicken Kakaoschicht liegen Salzflocken, welche die einfach geniale Nachspeise perfekt vervollständigen. Tiramisù ist eben nicht nur das Lieblingsdessert von Arianna Plevisani.

  • Ari’s Glogauer Str. 2, Kreuzberg, Mi–So 9–21 Uhr, bei Instagram

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