Essen & Trinken

Brunchen auf der Spree

Spreediamant „Etwas Besonderes? Nö, da sind, wie bei einem Brunch üblich, warme Speisen dabei, ach Rührei selbstverständlich auch.“ Bei der Reederei Riedel pflegt man die urberlinerische Tradition, trotz Wasser bleiben die Seeleute ganz bodenständig. Das ist bei allen anderen großen Reedereien wie Bruno Winkler oder Stern und Kreisschiffahrt ähnlich. Da redet keiner von großen Kochkünsten, von ausgefallenen Kreationen. Klassisch geht es auf den Dampfern wie der Spreekrone zu – auf der gibt es das Brunchbuffet. Aufschnitt, Käse, Fisch, Eiervarianten, eben kalte und warme Speisen, stehen rund drei Stunden bereit. Die Kombüsen der Reedereien sind dafür ausgestattet, um Speisen aufzuwärmen, gekocht und zubereitet wird an anderer Stelle, bei einem Caterer. Dennoch: Wer bei bestem Wetter drei bis vier Stunden durch Berlin schippert, sich bei Kaffee und Lachsbrötchen die Stadt erklären lässt, der genießt ein recht unkompliziertes und preisgünstiges Vergnügen – im Schnitt kosten Fahrt und Frühstück knapp über 30 Euro –, das man mit Freunden, Verwandten und Bekannten teilen kann. Einzige Bedingung: Man muss sich früh nach den Fahrten erkundigen. Denn ausschließlich sonntags, bei Riedel auch nur fünf Mal im Jahr, wird gebruncht.
Brunch
Die Stadt am Wasser – diesen touristischen Anreiz will auch der seit letztem Jahr angetretene Hotelchef vom Esplanade, Jürgen Gangl, wieder ins Spiel bringen, nachdem dieses Fünf-Sterne-Hotel etwas ins Abseits geraten ist, weil der legendäre Barchef Andreas Lanninger von Harry’s New York Bar andernorts eine Bar mit seinem Namen übernommen hat. Die Sterneküche – Renй Conrad wirkte bis vor drei Jahren dort als Küchenchef – gibt es auch nicht mehr. Vom hoteleigenen Schiff kaum eine Spur. Doch der Hoteldirektor, der auch im Motel One, der preisgünstigen Hotelkette, Erfahrung gesammelt hat, will die MS Esplanade wieder in Fahrt bringen. Noch ist man in der Planungsphase, doch in den kommenden Wochen will das Hotel mit speziellen Touren und Angeboten aufwarten. Jedenfalls ist schon mal für den 24. Mai ein Winzerbrunch angekündigt. Neben den Klassikern gibt es an warmen Speisen zum Beispiel Spießbraten, Zander, dazu Pfälzer Spezialitäten wie Saumagen und ein üppiges Dessertbuffet. Das ist auch dem Winzer Christian Bergdolt geschuldet. Der ist an diesem Tag auch an Bord und stellt fünf seiner Weine aus der Pfalz vor.

Ein weiteres Hotel am Wasser, das Radisson, betreibt sein Schiff weiterhin nur als Eventlocation, kann also für Veranstaltungen gemietet werden. „Noch“, so die Auskunft, fährt die Adele – so heißt das Schiff, auf dem vor ein paar Jahren auch noch gefrühstückt werden konnte – nur auf Bestellung.
Schiff

Auch im Urbanhafen in Kreuzberg liegen mehrere Schiffe vor Anker: die Van Loon seit über 20 Jahren fest – als Restaurantschiff. Davon gibt es in Berlin mittlerweile mehrere wie das Patio im Wedding sowie Capt’n Schillow in Tiergarten mit der Pauline, einem Hafenschlepper, der gechartert werden kann. Doch zurück zum Kreuzberger Hafen. Marian Simunovic, Kapitän nicht nur von der Van Loon, auch von Josephine und Philippa, kann sich über mangelnden Erfolg nicht beklagen. Erst war es nur die Hafenbarkasse Josephine, die man seit 1995 zum Brunchen oder zu Abendfahrten mieten konnte. Dann kam zur Jahrtausendwende die Philippa dazu, ein stilistischer Nachbau im 20er-Jahre-Stil. „Anders als bei den großen Reedereien hat jedes Boot eine eigene Küche, und wenn wir unterwegs sind, dann ist auch immer ein Koch an Bord.“ Selbstverständlich sind ihm gecharterte kulinarische Rundfahrten am liebsten, dennoch kann sich jeder bei den sogenannten offenen Fahrten zum Brunchen anmelden – für ein ausgedehntes Frühstück während einer drei- bis vierstündigen Tour auf der Spree und dem Landwehrkanal. Doch: Reservierung ist immer Pflicht! Sonst klappt es nicht mit den Dampfern.

Text: Eva-Maria Hilker

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