Essen & Trinken

Ausflugslokale rund um Berlin

Spindel

In Berlin war und ist er ein Begriff. Als Hendrik Canis vor rund anderthalb Jahren ein Landgasthaus in Köpenick eröff­nete, war die Fangemeinde des Sommeliers zwar etwas irritiert, doch vorrangig neugierig. Man fuhr also raus zu dem bekannten, eloquenten Mann, der sich den Ruf als Garant für einen gelungenen Abend mit deutschen Weinen und gutem Essen erworben hatte. „Das war zu Beginn wichtig für uns“, denn vor Ort waren Canis mit seinem Küchenchef Jörg Eich­hofer – auch bekannt vom Berliner Sterne-Restaurant Vau und dem Kreuzberger Jolesch – eine misstrauisch beäugte Ausnahme. „Mit unsrer frischen Küche waren wir als Ausflugsrestaurant alleine auf weiter Flur.“ Die Preispolitik, dass ein Hauptgericht zum Beispiel 20 Euro kosten soll, machte den Einheimischen ein wenig Kopfzerbrechen.

Canis betrat mit seinem Restaurant Die Spindel (Foto oben) Neuland und, so räumt er unumwunden ein, machte Fehler. Das Wetter – ein ausschlaggebender Faktor: „In einer Woche waren wir ausgebucht, in der nächsten kam kaum ein Gast. Man kauft dann ein wie ein Weltmeister, und am Ende wirft man alles in die Tonne.“ Das Speiseangebot: „Wir wollten gleich zu Beginn besondere Gerichte an den Mann und die Frau bringen.“ Bries und Kutteln tauchten auf der Karte auf. „Wir mussten uns erst das Vertrauen unserer neuen Gäste erarbeiten.“ Heute ist das kein Thema mehr, und wenn es so weiter läuft, wie das Jahr angefangen hat, dann „träume ich vielleicht auch mal was Schönes“. Hendrik Canis fühlt sich und seine Idee langsam bestätigt.

Für Mathias Wolf ist es nun auch der zweite Sommer, den er mit seiner Kapitäns Kajüte erlebt. Früher, in den 70er, 80er Westberliner Zeiten, war dieses Haus eine angesagte, hochpreisige Adresse. Der britische Stadtkommandant – Gatow gehörte zur britischen Besatzungszone – gab sich hier die Ehre. Prinzessin Anne soll auch schon mal an der Havel gespeist haben. „Ich habe hier meine Konfirmation gefeiert“, erzählt Nicht-Adel Mathias Wolf und macht damit deutlich, was für eine Institution dieses Haus in Spandau mal war. Taufen und Hochzeiten wurden gefeiert. „Es sind jetzt die Trauerfeiern, die an die alte Geschichte erinnern.“Doch nach dem Mauerfall sank das Niveau. Verschiedene Gastronomen versuchten rund 15 Jahre lang ihr Glück. So etwas wie „Zum schmierigen Löffel“, brummt der erfahrene Gastronom Wolf, der dann auch zwei Jahre benötigte, bis die baulichen Maßnahmen beendet, das Haus wieder auf Vordermann war. Heute will er an die anspruchsvolle Tradition des Hauses wieder anknüpfen. Egal ob jemand mit dem Schlauchboot am hauseigenen Steg anlegt oder mit seiner Yacht — nicht nur die Speisekarte versetzt einen in andere Gefilde, auch der Service arbeitet direkt am Gast.

Kapitaens

Das heißt, er bereitet das Tatar am Tisch zu oder filetiert die Forelle. Das berühmte Urlaubsgefühl setzt unweigerlich ein. Mathias Wolf geht sensibel mit der Preispolitik um. Denn es gibt durchaus das Bedürfnis nach Schnitzel und Currywurst. „Klar gibt es kleinere Gerichte“ wie Salate oder einen Max а la Kajüte, mit Brot, Eiersalat, Krabben und Schnittlauch. Doch Wolf setzt auf die anspruchsvolle Tradition und Küche.

Die Frage nach Schnitzel und Co. kennt Michael Gruenewald bereits seit fünf Jahren. „Paddler und Radler wollen eine Kleinigkeit, meist ohne großen Zeitverlust, zu sich nehmen.“ Am Dämeritzsee — der liegt direkt hinter dem Müggelsee — fährt man küchentechnisch zweigleisig. Es gibt die so genannte Genuss­küche im Restaurant Hessenwinkel auch mal mit einem Menü, bei dem weitestgehend auf
Fett und Kohlehydrate verzichtet wird, auf der Seegarten-Terrasse serviert man eben Kalbsschnitzel mit Bratkartoffeln. „Es ist
eine Gratwanderung“ — erklärt Gruenewald. Bei schönem Wetter ist das Platzieren der Gäste je nach Anspruch kein Thema, doch wehe wenn es grau und regnerisch ist, „dann will der Gast im Hessenwinkel eine Soljanka.“ Aber auch das lässt sich zu aller Zufriedenheit irgendwie lösen.

Für jeden Geschmack etwas und für großen Andrang — das bietet das Krongut Bornstedt. Auf dem weitläufigen Gelände herrscht der Geist des Preußentums, oder soll peu а peu wie­derbelebt werden. Neben einem Selbstbedienungsrestaurant, dem historischen Federviehhaus, des Weiteren einem Brauhaus gibt es einiges an Wissenswertem und Unterhaltsamem zu entdecken: die Königliche Hof- und Schaubäckerei, es gibt eine Hoffloris­ten, einen Hofbarbier, einen Hof­­uhrmacher und ab Mai ein Zinn­figurenmuseum. „Bei manchen Veranstaltungen haben wir auch schon mal 4000 bis 5000 Besucher“, beschreibt Constanze Otto von der Laggner-Gruppe die Dimension des Ortes. Das Krongut lebt durch viele Menschen auf. Anders in Eichwalde. Dort bringt eine einzige Person beste brandenburgische Küche zum Leben. Es ist eines der ersten Restaurants gewesen, in dem nach dem Mauerfall konsequent regionale Küche gepflegt wurde. Carmen Krüger ist ihren Prinzipien bis heute treu geblieben. „Ehrlich und handgemacht“, so bezeichnet sie ihr Arbeiten in Carmens Restaurant.

Gerade mal 20 Gäste verwöhnt sie am Abend. Die ausgebildete Metzgerin war zu DDR-Zeiten begeisterte Köchin und begriff nach dem Mauerfall das Restaurant als ihre Chance. Von Anfang an legte sie Wert auf gute Produkte und auf deren Produzenten. Während der Rest der neuen Bundesrepublik zu Tüten und Dosen griff, legte sie Wert auf Frische und Qualität und suchte nach regionalen Produkten. Das hat sich nach Berlin rumgesprochen. Heute hat die Grande Dame der Brandenburger Landküche sogar einen Preis erhalten, das Gaumengold von „Brandenburg unter Dampf“, einer Initiative, die den Brandenburgern und Berlinern gute Küche näherbringen und die guten Köche unterstützen soll. Heute ist sie immer noch Vorbild für die jüngere Kochgeneration, was Kontinuität, Qualität und Durchhaltevermögen betrifft.

Text: Eva-Maria Hilker

ADRESSEN

Carmens Restaurant Bahnhofstraße 9, 15732 Eichwalde, Tel. 675 84 23

Dämeritz Seehotel Kanalstraße 39, Köpenick, Tel. 616 74 40, www.daemeritzseehotel.de

Die Spindel Bölschestraße 51, Köpenick, Tel. 645 29 37, www.spindel-berlin.de

Kapitäns Kajüte Alt-Gatow 23, Spandau, Tel. 36 99 16 48, www.kapitaenskajuete.de

Krongut Bornstedt Ribbeckstraße 6/7, 14469 Potsdam, Tel. 0331-55 06 50, www.krongut-bornstedt.de

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