Gastrotipp

Liesl Weinwirtschaft in Neukölln: Naturwein und Rollberg-Rot

Liesl nimmt das mit dem Naturwein sehr ernst, darüber hinaus darf die Weinwirtschaft auch einfach eine lässige Kneipe sein. Brotzeit und einen guten Tropfen gibt es hier in zeitlos ehrlicher Kneipenatmosphäre. Bei uns erfahrt ihr, was der Bewirtungswechsel in der Kneipe ausgelöst hat.

Liesl Weinwirtschaft: Brotzeit auf dem Trottoir. Foto: Clemens Niedenthal

Bausmeister wechselt die Liesl-Tresenseite: Vom Gast zum Wirt

Es ist meistens keine gute Idee, wenn ein Gast zum Wirt seiner eigenen Stammkneipe wird. Im Fall von Wolfgang Bausmeister und der Liesl ist das aber unbestritten eine gute Idee. Nicht nur, weil der gebürtige Münchener nicht zu jener Art von Stammgast gehört, der irgendwann mit dem Tresen verwachsen ist. Vor allem hat nun einer mit unbestrittenem Weinverstand – und angenehmem Weineigensinn – eine adäquate Bühne. Und eine ebenso unbestritten ikonografische Kneipe – gewidmet ist sie Liesl Karlstadt, der Bühnenpartnerin von Karl Valentin – auch künftig einen adäquaten Wirt. Einen, der um den Charme von Geschichte und Geschichten weiß, ohne das Gestern zu verklären. Einer der weiß, dass eine Atmosphäre gerade dann cool ist, wenn man es erst auf den zweiten Blick merkt.

Auslese bei Liesl: Stilsicherer Geschmack

Dazu passt, dass Baumeisters eigentliches Thema ein sehr heutiges ist: Natur- und Orangeweine, aus Österreich, Slowenien und überhaupt Südosteuropa. Den dörrobstigen Oran aus der Tonflasche von Fritz Salomon könnte man etwa aus dem Nanum am Jüdischen Museum kennen, deren Weinlieferant Wolfgang Baumeister ist. In der Liesl Weinwirtschaft schmeckt man darüber hinaus, dass Demeter-Winzer Salomon auch den besten Marillennektar vermutlich ganz Europas produziert. Dazu auf dem Teller, nein, dem Brettl: gereifte Milch von Peppikäse, luftgetrocknete Würste aus Vorarlberg, Brot von Taktil aus der Nachbarschaft, Fermentiertes von Barbara Assheuer – und slowenische Sardinen!

Wenn ihr jetzt sagt, dass mit den Naurweinen sei doch ein arger Hype – gerade dann sei euch die Liesl ans Herz gelegt. Wolfgang Baumeister hegt nicht nur eine gesunde Abneigung gegen das Poppig-Grelle (gerade bei Weinaromen!), sondern zapft genauso ein ehrliches Rollberg-Rot. Ich bin mir aber sicher, ihr beim Wein bleibt. Unbedingt noch ein Glas von den Butuls aus Slowenien probieren.

  • Liesl Weinwirtschaft Nogatstraße 30, Neukölln, Do 18–23 Uhr, ab September sonntags regelmäßige Gastköch:innen, Facebook

Mehr Berliner Genusskultur

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