Essen & Trinken

Berliner Bargeflüster

fringsDie Riva Bar ist einer typischen American Bar nicht ganz unähnlich. Sie besitzt einen riesigen, langen Tresen, an dem ich gern sitze. Eigentlich ausschließlich. Und sie hat diese eigene Mischung aus Großzügigkeit und Enge, die sich durch den Bogen der S-Bahn ergibt. Das hat etwas eigentümlich Beschützendes. Hier drin kann man atmen und überall, wo man atmen kann, da kann man auch denken. Denn meist gehe ich in Bars, wenn ich darüber nachdenke, wie es mit der Geschichte in meinem Buch weitergehen soll. Ich trinke dann den ein oder anderen Martini-Cocktail, der wirklich mein Lieblingsdrink ist, und überlege mir, was als Nächstes passieren wird. Wer verliebt sich, wer wird verlassen? Wer betrügt wen? Wer wird sterben und wer wird weiterleben? Die Antworten darauf finden sich nur abends. Das ist keine Form von extrem strukturiertem Denken, sondern man muss es im wahrsten Sinne des Wortes auf verschiedenen Ebenen fließen lassen. Es ergeben sich dadurch nicht selten sehr abstruse Ideen, was natürlich auch mit zunehmendem Alkoholgenuss zusammenhängt. Wichtig aber sind die Einzelheiten, die mir auffallen und die essenziell für die Zeichnung eines Charakters sind. Etwa, ob derjenige schöne Fingerkuppen hat. Das habe ich gerade von Fritz J. Raddatz geklaut, dessen Tagebücher ich momentan lese.

Es geht um Feinheiten, wie die, dass ein gewisser Typ eine bestimmte Sorte Schuhe trägt. In einer Bar findet man unglaublich viele dieser Details. Namen fallen mir da oft ein. Man braucht sehr viele, wenn man einen Roman schreibt. Und sie dürfen nicht zu modisch oder zu dick aufgetragen klingen. Oft sind es sogar die ganz schlichten Namen, die ich aufschnappe. So etwas wie Torsten, gerade erst gestern. Ich schaue zudem unglaublich gern den Barkeepern zu und beobachte, wie sie die einzelnen Zutaten mischen. Aber auch die Instrumentarien einer Bar faszinieren mich. In der Riva Bar gibt es eine große rote, ausgesprochen sinnliche Schinkenschneidemaschine. Das Ding an sich ist fast schon erotisch anzuschauen. Aber wenn die auch noch jemand formvollendet bedient, dann könnte das geradezu einer meiner Geschichten entsprungen sein.

Aufgezeichnet: Martin Daßinnies

Foto: Kristal Burtrum / HIPI

Matthias Frings’ neuer Roman „Ein Makelloser Abstieg“ erscheint am 15. März. Der frühere Fernsehmann erzählt darin die Geschichte vom Auf- und Abstieg eines prominenten Moderators.

Riva Bar Dircksenstraße 142, Mitte, Tel. 24 72 26 88, www.riva-berlin.de, tgl. ab 18 Uhr

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