Essen & Trinken

Berliner Bargeflüster: Bodo Wartke

bodo_wartkeDie Scheinbar ist das älteste Varietй-Theater Berlins. Und das kleinste.
Das erste Mal war ich dort, nachdem ich 1996 bei „Schüler machen Lieder“ gewonnen hatte. Ein Jahr später bin ich nach Berlin gezogen und seitdem regelmäßiger da. Die Nähe zum Publikum ist hier einmalig. Als Künstler erhält man ein ganz authentisches Feedback. Das Publikum sitzt schließlich direkt vor einem. Bei der „Open Stage“, immer mittwochs bis samstags, ist es proppenvoll. Jeder, der will, kann auftreten und hat sieben Minuten. Man bekommt zwar keine Gage, aber die Getränke sind umsonst. Es kommen Künstler aus ganz Deutschland in die Scheinbar, um neue Sachen auszuprobieren. Hätte ich mich hier nicht austoben können, ich wäre vielleicht nicht Kabarettist geworden. Wohl eher Diplomphysiker oder Musiklehrer, so wie ich es mal vorhatte. Und ich habe hier viele Kollegen wie Kurt Krömer, Eckart von Hirschhausen, Sebastian Krämer oder Detlef Winterberg kennengelernt. Letzterer war es auch, der mich als Moderator für eine Varietй-Show engagiert hat, mein erstes bezahltes Engagement. Die Scheinbar ist im Grunde eine öffentliche Probebühne auf sehr hohem Niveau.

Eckart war neulich wieder da und hat ein paar neue Songs gesungen. Er singt jetzt auch. Ich bin hier vor einem Auftritt meist aufgeregter als auf jeder anderen Bühne. Das Beste, was man tun kann, ist einfach Spaß haben. Auch wenn eine Pointe misslingt oder die Leute etwas überhaupt nicht lustig finden, von dem man selbst dachte, dass es witzig ist. Ich habe mal eine Pantomime-Nummer ausprobiert, die kräftig danebenging. Ich hatte ein Klavier auf der Bühne präpariert, so dass eine Taste nicht funktionierte und dann so getan, als wollte ich Klavier spielen. Was natürlich scheiterte. Also fing ich an, das Klavier zu untersuchen. Ich holte alte Klavierseiten raus, einen alten Turnschuh und einen ollen Schlüpfer. Alles Mögliche eben. Danach habe ich mit einem Stethoskop das Klavier untersucht und angefangen es zu operieren. Das alles wortlos. Die Leute im Publikum dachten nur, was macht denn der da? Alle, die mich kannten, hatten eigentlich erwartet, dass ich singen würde. Aber im Gegenteil. Ich hingegen dachte, dass das „die“ Clowns-Nummer schlechthin ist und wollte damit sogar mein neues Programm eröffnen. Letztlich ging ich mit ziemlich spärlichem Applaus von der Bühne. Die Moderatorin verabschiedete mich mit den Worten: „Ja Mensch, mal was anderes!“ Pantomime habe ich seitdem nie wieder gemacht.

Aufgezeichnet von Martin Daßinnies

Foto: Nina Zimmermann/HIPI 

Scheinbar Varietй
Monumentenstr. 9, Schöneberg, Mi-So ab 20.30 Uhr,
Tel. 784 55 39, www.scheinbar.de

Der gebürtige Hamburger ist erfolgreicher Musik-Kabarettist und Liedermacher. Am 6. Juni ist er zu Gast bei Mark Scheibes Berlin Revue im Kesselhaus der Kulturbrauerei.

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