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Berliner Bargeflüster: Christoph Hagel

christoph_Hagel_hipiTechno begleitet mich schon mein gesamtes Leben. Früher war ich viel unterwegs und oft im Tresor und im E-Werk. Damals hieß es ja noch Techno. Heute sagen alle nur noch Elektro. Ich gebe mir große Mühe, das heute noch zu verfolgen, aber es passiert so viel, man kommt kaum hinterher. Ich mag nach wie vor sehr guten Techno, auch wenn ich nachts nicht mehr häufig unterwegs bin. Im E-Werk habe ich vor 15 Jahren das erste Location-Projekt überhaupt gemacht. Das war Mozarts „Don Giovanni“ mit Katharina Thalbach. Es war ein Experiment und ein absolutes Abenteuer. Wir haben viel ausprobiert und Mozart mit Technosounds gemischt. Mich faszinieren ja seit jeher solche Gegensätze. In einem kühlen, industriellen Raum, der für klassische Konzerte nicht ausgelegt ist, muss man sehr genau und an die Örtlichkeit angepasst arbeiten. Eine schwierige Aufgabe, gerade mit einem großen Orchester. Ich wollte unbedingt an einen Ort gehen, der auf den ersten Blick nicht zu einer Oper passt. Im „Don Giovanni“ geht es um Körperlichkeit. Die Techno-Jugend aber berührt sich ja nicht. Jeder tanzt für sich allein. Diesen Widerspruch fand ich äußerst spannend und so hat dieses Projekt auf sehr unterschiedlichen Ebenen gewirkt.

Im Tresor war ich auch schon einmal mit einem Orchester. Im Dezember habe ich hier mit den sFlying Step unser Bach-Breakdance-Projekt aufgeführt. Nun arbeite ich an einem Projekt für das Bode-Museum. Eine Oper im Bode-Museum zu inszenieren – aktuell probe ich dort mit den Berliner Symphonikern „Figaros Hochzeit“ von Mozart – ist wieder etwas völlig anderes. Man muss genau auf den besonderen Hall des Museums und den richtigen Klang achten. Insgesamt dauert es lange, bis man ein so großes Projekt an so speziellen Plätzen aufführen kann. Ich würde gern einmal Beethovens „Fidelio“ vor dem Marie-Elisabeth-Lüders-Haus am Bundestag inszenieren. Dort gibt es diese riesige Treppe. Das wäre wirklich ein einmaliger Ort für eine Oper. Außerdem stand dort einmal die Mauer. Deshalb natürlich „Fidelio“.

Text: Martin Daßinnies

Foto: Kristal Burtrum /HiPi

Christoph Hagel Dirigent und Opernregisseur, ist bekannt für seine modernen Adaptionen klassischer Opern und ihre Aufführungen an ungewöhnlichen Plätzen. Für das Bode-Museum inszeniert Hagel vom 16. März bis 27. Mai „Figaros Hochzeit“ von W. A. Mozart.

Tresor Club Köpenicker Straße 70, Mitte, Mo, Mi, Fr+Sa ab 23.59 Uhr; U-Bhf Heinrich-Heine Platz

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