Essen & Trinken

Berliner Bargeflüster: Falko Hennig

FalkoHennigIch bin beruflich viel unterwegs, im Kaffee Burger, in der Kulturbrauerei oder im Schoko­laden. Ins W. Prassnik kehre ich oft nach meiner Arbeit ein. Es gibt ein kleines Imbissangebot, und die Bedienung ist freundlich. Das Bier schmeckt, sie schenken eine eigene Hausmarke aus, aber wo genau sie brauen, ist geheim. In meiner Familie wurde immer Bier getrunken. Wein trinke ich eher selten. Das ist sicherlich Prägung.Wenn man es so gelernt hat, ist es schwer, davon wegzukommen.
Der Gastraum ist gestaltet wie der einer typischen Berliner Eckkneipe. Tatsächlich wurde das W. Prassnik aber erst 2001 eröffnet. Die Einrichtung und das Konzept wirken so unaufdringlich, dass man sich in eine andere Zeit versetzt fühlt. Viele Gäste glauben sogar, dass es sich hier um eine Kneipe handelt, die es schon in der DDR gab. Aber etwas so Schickes war damals nirgendwo zu finden. Dieser verbrauchte Charme ist, obwohl ich ihn sehr mag, nicht echt. Überhaupt gibt es im Kiez und auf der Torstraße keine dieser alteingesessenen Kneipen mehr. Keine Ahnung warum, aber ich hänge sehr an der Vergangenheit und finde es traurig, dass alles zugrunde geht. Das Kaffee Burger etwa, ich war dort das erste Mal 1987, ist heute ein angesagter Club. Die Besitzer haben nach dem Wechsel, was ich sehr erfreulich finde, zumindest die Optik beibehalten. Bis hin zu der Tapete. Aber es ist nicht das alte Lokal, das es mal war. Viele andere Kneipen wie Altberliner Bierstuben, Musikerklause oder das Choriner Eck hatten nicht das Glück, neue Besitzer zu finden, die etwas weiterführen wollten. Sie wurden einfach geschlossen. Jetzt gibt es dort neue, schicke Restaurants, Bars oder Clubs. Die Bevölkerung wandelt sich ständig und damit auch die Besitzer und das Publikum. Das ist nun mal so. Ich finde es prinzipiell schöner, wenn Sachen bleiben, als dass sie verschwinden. Das ist Berlin aber nicht vergönnt, jedenfalls nicht in dieser Gegend.

Text: Martin Daßinnies

Foto:Kerstin Nussbächer

Falko Hennig ist Schriftsteller, Bühnenkünstler und Journalist und stellt sein aktuelles Buch „Der Eisbär in der Anatomie“ am 5. Mai um 20.30 Uhr im Kaffee Burger vor.

Gaststätte W. Prassnik Torstraße 65, 10119 Mitte, Tel. 41 71 51 20, U-Bhf. Rosa-Luxemburg-Platz, tgl. 19-3 Uhr, Küche bis 24 Uhr

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