Essen & Trinken

Berliner Bargeflüster: Gabriele Minz

GabrielMinzImmer unterwegs, immer in Bewegung. In Gesprächen, Verhandlungen – Neudeutsch bezeichnet man meine Profession wohl als den der Networkerin. Es dreht sich alles um die Realisierung eines Projektes, um Koordination und Führung des Teams. Zum Beispiel beim alljährlich stattfindenden Young Europe Classic. Das ist das Festival der besten Jugendorchester der Welt. Ich bringe die unterschiedlichsten Menschen unter dem Dach der Kultur zusammen. Es gilt das Prinzip: Alle Beteiligten müssen sich verstanden und wohl fühlen. In den vergangenen drei Jahren war ich regelmäßig in Beijing und Shanghai. Um deutsch-chinesische Beziehungen ging es dabei. Da ticken die Uhren ganz anders. Dort war ich öfter auch mal am frühen Abend in Jazz-Bars. Die gibt es in Berlin kaum und die Zeiten sind eben auch hier anders. Auch The Lodge ist eher ein Treffpunkt für den späten Abend. Es erinnert mich an klassische Hotelbars. Das sind oft Treffpunkte, wenn es um die Organisation einzelner Details geht.

Ich komme gerade aus Delhi zurück. Ab diesem Jahr begleiten ich und mein Team die Entwicklung der deutsch-indischen Beziehungen. Wir realisieren die festlichen Aktivitäten, dabei die musikalischen Ereignisse wie eben jetzt in Indien ein Konzert, in dem Deutschland mit Mendelssohn seinen musikalischen Beitrag liefert. Die indische Musikkultur und -tradition kennt keine europäische Klassik wie wir sie verstehen. Die Dhrupad-Musik zeigt das ganz deutlich. Es ist eine der ältesten überlieferten Musikarten aus Nordindien. Sie fordert sowohl vom Interpreten als auch vom Publikum einiges an Konzentration und Ausdauer. Ein solches Konzert kann über Stunden gehen und man hat den Eindruck, die Stimme wandert durch den ganzen Körper.

Das ist das Faszinierende an meiner Arbeit, dass ich als Ökonomin und Psychologin mich immer wieder auf andere Kulturen einlassen, sie direkt erfahren kann – das ist für mich pure Lebensfreude. Aber auch oder gerade in Berlin schätze ich die kreative Atmosphäre. Ich wohne schon seit Jahren in der Torstraße, sie ist für mich klare Trennlinie zu Mitte und deren Hype. Gerade haben wir ein kleines, aber innovatives Festival unter der künstlerischen Leitung von Dieter Rexroth auf die Beine gestellt, nämlich das Klavierfieber. Sechs Komponisten haben sich von sechs Werken der Bildenden Kunst inspirieren lassen, sechs Pianisten werden diese Kompositionen an verschiedenen Orten des Kulturforums interpretieren. Nur ein Beispiel. Komponist Bernhard Weidner –  seine musikalische Laufbahn begann er als Rockgitarrist – hat als Inspirationsquelle ein Gemälde von Caspar David Friedrich gewählt und Mizuka Kano, die seit dem vierten Lebensjahr am Klavier sitzt, wird das akustisch umsetzen. Das werden spannende sechs Tage.

Text: Eva-Maria Hilker

Foto: Andreas Kottlorz/ HIPI


Klavierfieber Internationales Klavier-Kunst-Festival vom 20.-26.6. am Kulturforum Berlin, in sechs Spielstätten, www.klavierfieber.de

The Lodge Rosa-Luxemburg-Straße 9-13, Mitte, tgl. ab 19 Uhr, Tel. 24 78 16 58, www.the-lodge-berlin.com

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