Essen & Trinken

Berliner Bargeflüster: Inka Loewendorf

Inka_LoewendorfIch mag Bars, bei denen ich überhaupt keinen Gedanken an die Qualität der Getränke verschwenden muss, sondern weiß, dass ich einen wunderbaren Drink bekomme. Im Kirk ist es meist sogar der, den ich wollte, ohne es zu wissen. Ich sage dem Barkeeper kurz und knapp, wonach mir der Sinn steht. Fertig. Noch besser ist es, wenn er erkennt, dass man gerade einen Tag hatte, an dem man mal etwas mehr Alkohol braucht. Ich probiere sehr gern etwas Neues aus, was der Sache wohl entgegenkommt. Warum sollte man auch dauernd das Gleiche trinken, oder genau die Drinks, die man auch im Supermarkt kaufen kann? Ein guter Barkeeper weiß, worum es einem geht und macht etwas da­raus. Der „Gin Sour“ ist eine dieser Empfehlungen. Gin besitzt einen herben Geschmack, ganz ähnlich auch Wermut, den ich wegen seiner pflanzlichen Note schätze.

Seit knapp drei Jahren komme ich regelmäßig ins Kirk. Ich bin hier mal durch Zufall herein­gestolpert, da habe ich noch in Kreuzberg gewohnt. Es war einer dieser ganz schlimmen und fiesen Tage in Berlin. Ich war unterwegs Richtung Schlesisches Tor und schon ziemlich schlecht gelaunt. Der Tag trübe, meine Seele auf Halbmast und meine Selbstliebe im dritten Hin­­­terhof gestrandet – da begeht vor meinen Augen ein ganz junges Küken Selbstmord. Es fiel von oben direkt vor meine Füße. „Darauf erst mal einen Wermut“, dachte ich und bin just ins Kirk rüber und bekam den rettenden Drink. So kommt man zu seiner Bar. Und diese ist mittlerweile zu meinem zweiten Wohnzimmer geworden. Ich habe dort schon mal meinen Geburtstag gefeiert. Anders als in anderen Bars kann man das hier, es ist genügend Platz da.
Am liebsten sitze ich im hinteren Bereich, dort gibt es große Sofas. Man kann entspannt darin versinken, die Schuhe ausziehen und die Füße hochlegen. Im Winter, wenn draußen so richtig schlechtes Wetter ist, sitzt man dort vor einem offenen Kamin. Das schummrige Licht, die Musik und die gute Stimmung tun ihr Übriges. Als Schauspielerin arbeite ich oft und hart – und habe selten die Gelegenheit auszugehen. Um so wichtiger sind dann diese Orte, in denen man die limitierte Freizeit, die man hat, mit Freunden verbringen kann.

Aufgezeichnet von Martin Daßinnies

Foto: Nina Zimmermann

Schauspielerin Inka Löwendorf
ist festes Ensemblemitglied der Volksbühne und Organisatorin des Theaters Heimathafen Neukölln. Dort ist sie aktuell in den Stücken „Die Rixdorfer Perlen“ und „Arabboy“ zu sehen. Infos unter www.heimathafen-neukoelln.de

Kirk Skalitzer Straße 75, Kreuzberg, U-Bhf. Schlesisches Tor, tgl. ab 19 Uhr

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