Essen & Trinken

Berliner Bargeflüster: Katia Berg

Katia Berg im TierAbel legt seine Platten selber auf. Ganz unterschiedliche Sachen, aber nie stressig. Jeder Barkeeper muss am Abend mindestens eine halbe Stunde Tom Waits spielen. Das hat was. Ich glaube, das steht bei jedem Barkeeper sogar im Vertrag. Völlig zu Recht! Grundsätzlich mag ich es gemütlich, ein wenig dunkel, so Muschepupu eben. Das Ende des Tages ausklingen lassen, bekannte Gesichter treffen und ein leckeres Weinchen trinken: rot. Beim Abel gibt es die Auswahl „gut, besser und spitze“. Wobei der Bessere nicht wirklich besser ist. Besser als der Bessere ist eigentlich der Gute – der Gute und der Spitze sind also Spitze. Der Gute ist ein Spanier und nicht so sauer.

Abel ist der Besitzer vom Tier und heißt eigentlich Sven Abel. Die Bar hat er an Silvester eröffnet. Sie wirkt aber so, als gäbe es sie schon ewig. Sie ist relativ dunkel gehalten, hat aber viele Lichtblicke, wie die Wandmalerei gegenüber dem Eingang. Und natürlich die James-Bond-Katze im Barfernseher, die ist der heimliche Star. Es ist unglaublich beruhigend, dabei zuzusehen, wie die Katze gestreichelt wird. Irgendwann glaubt man, selbst gekrault zu werden. Es wird gemunkelt, dass im Keller der Bar Streichelzwerge sitzen, die die Miez jeweils eine halbe Stunde lang streicheln müssen und dabei gefilmt werden. Ich bin zwar noch nicht rekrutiert worden, aber ich würde es tun. Das Tier wurde im Herbst letzten Jahres in Angriff genommen, und ganz viele Freunde haben mitgeholfen.

Der Bar hat am Anfang niemand so wirklich eine Chance gegeben. Was nicht ganz unverständlich war, seit den Siebzigern gab es 26 Besitzer. Zum Schluss ein indisches Restaurant, in dem zweimal in der Woche jemand zum Essen kam. Der Koch hat nach jeder Bestellung erst einmal gegenüber im Edeka eingekauft, um kochen zu können. Um so überraschender war die Silvester-Eröffnungsparty. Das Tier war voll! Außerdem – was für ein Name? Tier. Ich liebe Tiere. Jeder Art, egal ob Hunde, Käfer oder Saurier. Ganz toll ist auch der Tier-Garten inklusive Ginkgo-Baum draußen vor der Tür. Abel wollte unbedingt einen Baum haben, wusste aber nicht welchen. Er ist dann in ein Geschäft gegangen und hat gesagt: „Oh! Ein Ginkgo, der ist aber toll. Aber überlebt der draußen?“ Da meinte der Besitzer: „Dit is ’n Jinkgo, Mann! Der hat Hiroshima überlebt!“

Text: Martin Daßinnies

Foto: Cathrin Bach

Katia Berg arbeitet seit fünf Jahren beim Radiosender MotorFM und lebt in Berlin und New York. Zur Zeit moderiert sie die Sendung „Superfrüh“ Mo-Fr 6-10 Uhr

Tier Weserstraße 42, Neukölln, U-Bhf. Neukölln, tgl. ab 19 Uhr, Rauchen erlaubt

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