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Berliner Bargeflüster: Masha Qrella

Masha_qrella_c_kerstin_anders_hipiIch bin vor vier Jahren in den Prenzlauer Berg gezogen und habe mich mittlerweile gut mit diesem Kiez arrangiert. Trotzdem habe ich schon oft überlegt wegzuziehen. Aber erstens habe ich eine ziemlich günstige Miete und zweitens wohnen viele meiner Freunde in der Nähe. Das Thema hohe Mieten erscheint mir immer auch ein wenig als Klischee. Natürlich, wenn man eine große, renovierte Wohnung mietet, ist das teuer. Aber hier wohnen so viele Menschen mit alten Mietverträgen. Wenn man so einen übernimmt, dann sind die Mieten wieder günstiger als momentan in Neukölln oder Kreuzberg. Schade ist es um die vielen Clubs. Ich habe mich lange darüber geärgert, dass so viele davon geschlossen sind. Aber ich habe zu der Zeit, als das Clubsterben angefangen hat, gar nicht hier gelebt. Da wohnte ich in Mitte und dort war der Wandel viel krasser. Ein Ort wie das Ballhaus Ost hat vor allem Probleme mit den Nachbarn, die über die Lautstärke klagen. Die ganzen Clubs machen ja meist aus diesem Grund zu. Das nervt ziemlich. Vor allem, weil diese Orte vor den Nachbarn da waren.

Es ist mühsam, sich über die Veränderungen in den Bezirken zu beschweren. Wandel ist nun mal ein ganz normaler Prozess, der gehört zu einer Großstadt dazu. Berlin bietet im Gegensatz zu anderen Städten aber den Vorteil, dass immer irgendwo etwas passiert. Neue Orte und Räume erschlossen werden. Freunde von mir haben z.B. in Moabit einen alten Bahnhof zu einer Künstlerresidenz mit Ateliers umgebaut. Das ist ein irrer Ort. Dort liegen sogar noch die alten Gleise. Als ich das erste Mal im Ballhaus Ost war, hat mich der alte Saal mit seiner Empore beeindruckt. Alles wirkte so überraschend groß. Man rechnet mit einem normalen Mietshaus und kommt in einen Raum mit einer fast schon ehrwürdigen Ausstrahlung, obwohl er ein wenig abgerissen ausschaut. Oben auf der Empore ist diese tolle Bar, an der nach den Vorstellungen die Partys stattfinden. Die Leute, die das Ballhaus Ost betreiben, machen das, weil sich ihr Leben um Kunst dreht, und nicht, weil sich damit Geld verdienen lässt. Solche Orte sind Gold wert.

Aber habe ich jemals überlegt, aus dieser Stadt wegzuziehen? Ja, oft sogar, aber wenn, dann nur ganz aus Deutschland raus. Denn es ist schwierig, nach Berlin in eine andere deutsche Stadt zu gehen. Ich bin hier aufgewachsen und mein gesamter Lebensstil ist auf diese Stadt abgestimmt. Nirgendwo könnte ich mit dem was ich mache so entspannt leben. Daran hat sich über die Jahre nicht viel verändert.

Aufgezeichnet von Martin Daßinnies

Foto: Kerstin Anders / HIPI

Masha Qrella ist gebürtige Berlinerin und seit Jahren ein fester Bestandteil der hiesigen Musikszene. Ihr neues Album „Analogies“ wird am 29. Mai live im Ballhaus Ost vorgestellt.

Ballhaus Ost Pappelallee 15, Prenzlauer Berg, U-Bhf. Eberswalder Straße, Tel. 44 04 92 05, www.ballhausost.de

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