Essen & Trinken

Berliner Bargeflüster: Maxim Mehmet

maxim_mehmetFrüher war ich in Berlin viel häufiger unterwegs. Mit der Zeit hat sich mein Bewegungsradius mehr und mehr auf Kreuzberg beschränkt, weil ich hier wohne, so wie viele meiner Freunde auch. Ich habe in Kreuzberg alles, was ich brauche. Trotzdem ist es wichtig, auch mal rauszukommen, einen Blick über den Tellerrand zu werfen, gerade als Schauspieler. Das Gefühl von Zuhause entsteht ja oft erst, wenn man zurück, nach Hause kommt. Ich wohne seit vier Jahren hier und man merkt den Umschwung in dieser Gegend. Kreuz­berg ist gerade total hip. Das birgt natürlich Gefahren und nicht jede Veränderung ist gut. Auf die Admiralbrücke muss ich mich nicht unbedingt setzen (lieber im Casolare essen gehen, wenn man genug Zeit mitbringt). Trotzdem empfinde ich den Wandel im Kiez bisher nicht als unangenehm, im Gegenteil, die Mischung wird bunter und das ist schön. Leute, die alte Zeiten herbeisehnen, die vielleicht sogar so weit gehen, auch keine Künstler mehr im Kiez haben zu wollen, damit die Gentrifizierungsspirale gar nicht erst losgeht, kann ich nicht verstehen. Reaktionäre Nostalgie!

Die Bar in der Mariannenstraße kenne ich noch gar nicht so lange, vielleicht zwei, drei Jahre. Es ist erstaunlich, dass man dort immer einen Platz findet, gerade weil im Kiez so viel los und die Atmosphäre dort sehr gut ist. Der Barkeeper kommt aus Frankreich, macht gute Drinks und serviert stilvoll sein Bier und den Wein. Wenn man am Tresen sitzt, fühlt man sich manchmal ein bisschen wie in einem Film von Truffaut. Oder Buсuel. Ich stelle mir vor, wie wir gemeinsam Martini-Cocktails schlürfen. Der ist hier nämlich auch sehr gut. Die Bar ist schummrig, dezente Musik, man kann es sich gemütlich machen. Auch im Sommer, während draußen die Massen vorbeiziehen. Zugegeben, ein wirklicher Ba­rgänger bin ich allerdings nicht. Obwohl man als solcher wahrscheinlich mehr über das Leben lernen kann, als sich unter die Touristen im Kiez zu mischen. Nehme mir also vor, es François und Luis gleichzutun und öfter hierherzukommen.

Aufgezeichnet von Martin Daßinnies

Foto: Jule Frommelt / HIPI

Maxim Mehmet spielt im ZDF-Zweiteiler „Die Frau im Mond“ einen Raketen­ingenieur, in „Männerherzen und die ganz, ganz große Liebe“ – der Kinofilm startet am 22. September – und im Thriller „Unter Nach­barn“, der im Winter anläuft.

Bar in der Mariannen­strasse Mariannenstraße 29, Kreuzberg, Di-So ab 19 Uhr

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