Essen & Trinken

Berliner Gastronomen in Bewegung

Sie winden sich und wollen nie so richtig mit der Sprache herausrücken – Gastronomen und ihre Pläne. So auch Roland Mary – er ist jemand, der sich nicht gerne in die Karten gucken lässt. Doch dann sickert etwas durch. Der Mann, der das Borchardt als Empfangszimmer der Hauptstadt betreibt (er ist zudem Inhaber des Cafйs am Neuen See und des Pan Asia), soll Gerüchten zufolge die O2-Arena nicht mehr bewirtschaften, dafür aber den Weltreisenden vom Flughafen Schönefeld gastronomisch weiterhelfen. Der Mann, der nicht gerne mit Journalisten spricht, hat bereits zwei Baustellen am Wickel: Einmal das Haus Cumberland am Kurfürstendamm (Bild oben), einen denkmalgeschützten Gebäudekomplex mit drei Innenhöfen und einer etwa 10.000 Quadratmeter großen Grundstücksfläche. Dort soll ein 500 Quadratmeter großes Restaurant entstehen, dem Pariser Traditionsrestaurant La Coupole nachempfunden. Bei einer Baustellenbesichtigung lässt sich wunderbar spekulieren, wie und wo das Restaurant von Mary aussehen und hin soll. Große Räume, weite Höfe, alles komplett entkernt und im Rohzustand – im Herbst 2012 soll eröffnet werden. Mary hadert aber noch mit der Nutzung des Außenbereichs, munkelt man, denn damit hatte er bereits beim Cafй am neuen See Probleme. Beschwerden der Anwohner machen einen lukrativen Umsatz zu nächtlicher Stunde nicht einfach. Diese Einschränkungen will er mit den Besitzern der luxuriösen Stadtwohnungen rund um das Haus Cumberland wohl nicht noch mal erleben.

Die zweite Baustelle hat Mary in der Friedrichstraße aufgemacht. Im ehemaligen San Nicci ist im Innenraum kein Stein auf dem anderen geblieben. Warum? Das weiß eigentlich keiner so recht. Denn der Innenraum war garantiert kein Hindernis für den Erfolg. Jedenfalls scheint sich Roland Mary an seine verlautbarte Idee vom letzten Sommer erinnert zu haben, und versucht jetzt, mit Kaffeehauskultur neben dem touristischen Laufpublikum auch die Besucher des Admiralspalastes als Gäste zu gewinnen. Ein paar hundert Meter weiter, in der Torstraße, werden in den nächsten Wochen das Team vom Hotel Amano (auch für den Club KTV in der Chausseestraße zuständig) das Hotel Mani samt Restaurant eröffnen – am Freitag den 13. Januar mit einer Ausstellung von Oliver Rath. Hoffentlich kein schlechtes Omen. Der Neubau hat den Charme eines Trauerklößchens. Mal sehen, was Licht, Inneneinrichtung und das Küchenkonzept an heller Gastfreundschaft bringen. Aber eigentlich sind Zweifel am Erfolg des Gespanns Thorsten Bruchertseifer, Mario Grünenfelder sowie Till Harter kaum angebracht. Nicht nur, dass sie in Mitte sehr gut vernetzt sind und ihre Läden ganz gut funktionieren – zudem lassen sie es langsam angehen mit weiteren Plänen. Auch für das Gebäude, in dem das erwähnte KTV zu finden ist. So soll neben dem Club im Keller ein Restaurant in der Beletage entstehen. Und in den Etagen der Nebengebäude soll es mal Ateliers für Kunstschaffende geben.

Martin_LutherAuch in Kreuzberg bleibt es spannend. Axel Burbacher (Galгo) und Guan Guanfeng (Chef vom Toca Rouge und gemeinsam mit Burbacher auch Chef im Yumcha Heroes) realisieren dort mit der Long March Canteen wohl das innovativste Konzept. Eine Reise in der Volksrepublik China hat sie zu einem Dim-Sum-Restaurant inspiriert. Im ehemaligen Eckstück, Pückler/Ecke Wrangelstraße, haben sie die Inneneinrichtung komplett neu gestaltet. Es soll an typisch chinesischen, großen runden Tischen getafelt sowie in einem legeren, rustikalen Bereich schnell etwas gegessen werden. Den Mittelpunkt des Gastraumes bildet ein unübersehbarer Dampfbereich. Hier werden die Bastkörbe gestapelt. Der Service greift zu und fährt die Körbe mit Servierwagen zu den Gästen. Und so kann jeder direkt vom Wagen seine Teigtaschen auswählen. Um die Ecke, in der Köpenicker Straße, verhandelt gerade Walter Potts, kurz Wally genannt, um bautechnische Details für den neuen Standort des White Trash. Die derzeitige Adresse in der Schönhauser Allee ist zu teuer geworden, und die Entwicklung der Gegend ist für Wally, der Stilbrüche bevorzugt, einfach zu glatt gebügelt. Der Rock’n’Roller und Kunstliebhaber hat für Kreuzberg große Pläne. Denn zu Restaurant, Club, Konzertraum, Galerie und Tattoostudio soll eine Kochschule hinzukommen. Wolfgang Müller, als Ausnahmekoch und Buchautor in Berlin bekannt, sowie TV-Koch Stefan Marquard sind die Küchenhelden, die zudem für bestes Convenience Food sorgen sollen, also Fleisch, Wurst und selbst gemachte Saucen zum Mitnehmen. Doch noch ist nicht alles in trockenen Tüchern. 

Anders bei der Tortenmanufaktur (Bild links) von Martin Hartmann. Der ehemalige Optiker-Laden in der Martin-Luther-Straße ist in kräftigem Grün und Weinrot gestrichen, die Knetmaschinen und der Backofen sind angeschlossen. Ab Februar soll es eine Sissi-Torte geben. Bei den Backexperimenten war die Resonanz schon mal groß. Der Duft und die Neugier zog die Wartenden an der Bushaltestelle bereits in den Laden. Doch noch wird an der Rezeptur, den Produktionsabläufen gefeilt.

Text: Eva-Maria Hilker

Fotos: Florian Bolk / HIPI

Long March Canteen Wrangelstraße 20, Kreuzberg

Haus Cumberland Kurfürstendamm 193, Charlottenburg


Mani, Torstraße 136, Mitte, www.manirestaurant.blog.com

San Nicci Friedrichstraße 101, Mitte

Tortenmanufaktur Sissi Martin-Luther-Straße, Wilmersdorf  

White Trash Fast Food Schönhauser Allee 6/7, Prenzlauer Berg

Mehr über Cookies erfahren