Essen & Trinken

Berlins Burger im Aufwind


Burgerzutaten_im_Tartane_Foto_von_Harry_SchnitgerEr scheint zumindest ein Versprechen zu halten. Der Burger macht jeden satt. Wer ihn erfunden hat? Einige US-Staaten erheben Anspruch darauf. Ur-Ur-Ur-Ur-Enkel behaupten, dass ihre Großväter Oscar Weber Bilby, Charlie Nagreen, oder auch Hamburger-Charlie genannt, Frank und Charles Menches aus Ohio ihn erfunden haben. Und Hamburg feierte 1985 den 100. Geburtstag „seines“ Hamburgers.

Wenn man aber nun ganz, ganz weit zurückgeht, dann waren es eigentlich die kriegerischen Männer um Dschingis Khan. Sie haben während ihrer Kriegszüge um 1200 Rind- oder Lammfleischscheiben zwischen Sattel und Pferderücken gepackt und es weichgeritten. Es wurde zwi­schen­drin dann einfach roh gegessen. So also soll das Steak Tatare 1238 in Moskau, da hat der Enkel Khublai Khan die Stadt eingenommen, entstanden sein. Das wiederum hat sich im 15. Jahrhundert in ganz Europa ausgebreitet und kam im 16. nach Hamburg. Im späten 18. Jahrhundert existierten in Europa die größten Häfen, und die Matrosen, die in Hamburg und New York an Land gingen, machten das Hamburger Steak populär. In New York soll es zum ersten Mal 1834 in Demonico’s Restaurant serviert worden sein.

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Bis heute ist der Burger eine unkomplizierte Hauptmahlzeit. Aber wer glaubt, das Ding mit den beiden weichen Hälften sei eine Männerdomäne, der täuscht sich. Denn nicht nur in den USA schätzen berufstätige Frauen diese schnelle Hauptmahl­zeit, auch in Berlin haben im Berufsleben eingespannte Eltern den Burger samt Pommes schätzen gelernt. Wer mal schnell ohne große Umstände essen will, für den ist der Burger eine Alternative zu Döner, Currywurst und Co. Aber was wäre Berlin ohne seine Ansprüche? Sei es die Qualität des Fleisches, des Brötchens, der Tomate, der Zwiebeln, des Käses, des Senfes, der Mayo – da wiederum sind sich die Historiker einig: Das Ketchup kommt ursprünglich aus Asien und war eine Würzsauce ohne Tomaten, die erst 1732 in England zu unserem bekannten Ketchup gemischt wurde. Der ers­te geschlossene Eisbergsalat wurde in Nordamerika gezüchtet, Käse gab es schon 5000 vor Christus in Mesopotamien. Das Ursprungsland der Tomate ist Mittel- und Südamerika, die Zwiebel kommt aus dem west- und mittelasiatischen Steppenraum und zählte schon bei den Römern zu den Grundnahrungsmitteln, die Gurke kam aus Indien, genauso wie der Senf.

Also, wer will da noch behaupten, dass der Burger amerikanisches Junk-Food ist? In ihm steckt alte wie neue Menschheits- und Kulturgeschichte.

Text: Eva-Maria Hilker

Foto: Harry Schnitger

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