Essen & Trinken

Berlins verrauchte Verbote

rauchenDer Gast fragt an der Bar, ob denn Rauchen erlaubt sei. Die Männer hinter der Theke greifen selbst zur Kippe, nehmen einen Zug, sie lächeln. Samstagnacht in einem Berliner Club. Es ist laut, voll – und verqualmt. Rauchverbot? War da mal was? Zumindest sobald die Sonne untergeht, ist an einigen Orten in der Stadt nicht viel davon zu spüren. Gerade in Clubs wird es teilweise schlicht ignoriert, und das, obwohl oft Raucherräume oder Lounges eingerichtet wurden.

Durch die Reformen der Nichtraucherschutzgesetze in den letzten Monaten ist die Lage unübersichtlich geworden. Manch ein Gastronom bewegt sich rechtlich in der Grauzone und mag sich in der Presse zum Thema nicht äußern. Seit einer Änderung des Nichtraucherschutzgesetzes im Mai 2009 2009 gilt: Lokale unter 75 Quadratmetern und ohne abgetrennten Nebenraum können als Raucherlokal ausgewiesen werden. Allerdings dürfen dort dann keine Speisen zubereitet werden. Außerdem sind Shisha-Bars, die keinen Alkohol ausschenken, nun vom Verbot ausgenommen. Schwierig wird es also für alle, die über der 75-Quadratmeter-Grenze liegen oder Essen anbieten.

Die Lösungsansätze sind vielfältig: Manchmal wird erst abends ab einer bestimmten Uhrzeit das Rauchen erlaubt. Einige Bars müssen sich zwischen Rauchen und Essen entscheiden – und schränken ihr Speisenangebot ein. Die neuen Regeln haben aber auch den Einfallsreichtum beflügelt: Im Yorckschlösschen gibt es inzwischen Raucherzelte, viele andere Cafйs und Bars mit mehreren Räumen haben Raucherzimmer eingerichtet. Hübsche Beispiele: die Retro-Polsterlounge im Salon Schmück und die goldenen Schnörkelmöbel im Raucherzimmer des Wohnzimmers. Laut Thomas Lengfelder, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands in Berlin, ist die derzeitige Regelung zum Nichtraucherschutz so, dass „alle Seiten damit leben können“. Ordnungsämter hätten zu wenig Personal, um die Umsetzung ständig zu kontrollieren. Wenn es zu Anzeigen wegen Verstößen gegen das Nichtraucherschutzgesetz komme, dann deklarierten das oft die Gäste der Lokale.

rauchenDem widerspricht Torsten Graumann vom Ordnungsamt Friedrichshain-Kreuzberg. Die Bearbeitung und Überprüfung von Anzeigen mache nur einen geringen Teil der Tätigkeit aus. Eine flächendekkende Kontrolle sei zwar nicht möglich, räumt er ein, aber: „Stichproben werden regelmäßig durchgeführt.“ In seinem Bezirk ist die Kontrolle des Rauchverbots mit der Kontrolle des Jugendschutzes verbunden. Streifen in Zivil überprüfen Gastronomie sowie Kultur- und Freizeiteinrichtungen, wie zum Beispiel Spielhallen. Im Gegensatz zu Bars, Kneipen und Clubs wird das Rauchverbot in Restaurants fast immer strikt befolgt. Dass Tabakqualm beim Essen stört, darüber scheint Einigkeit zu bestehen. Allerdings fehlen auch in den Restaurants häufig noch komfortable Lösungen für Raucher. Dort schickt man Gäste zuweilen schlicht auf die Straße. Doch auch hier gibt es Gegenbeispiele: Das Hotel Park Inn hat einen Raucherbus für Hotel- und Restaurantgäste vor der Tür geparkt, und im Schneeweiß in Friedrichshain wurde das elegante Kaminzimmer zum Raucher-Refugium ungewandelt.

Text: Lene Bayerlein

Foto: Benjamin Pritzkuleit

Park Inn Berlin, Alexanderplatz, Mitte, Tel. 23 89 0, www.parkinn.de

Salon Schmück, Skalitzer Straße 80, Kreuzberg, Tel. 69 00 47 75, www.myspace.com/salon_schmueck

Schneeweiß, Simplonstraße 16, Friedrichshain, Tel. 29 04 97 04, www.schneeweiss-berlin.de

Wohnzimmer, Lettestraße 6, Prenzlauer Berg, Tel. 445 54 58, www.wohnzimmer-bar.de

Yorckschlösschen Yorckstraße 15, Kreuzberg, Tel. 215 80 70, www.yorckschloesschen.de

 

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