Essen & Trinken

Beste Qualität im L’Olivo

L_OlivioFreunde der italienischen Küche finden kaum noch Adressen, bei denen nicht das Ambiente die Hauptrolle spielt, das inszenierte Bodenständige mit karierten Tisch­tüchern – bei denen die ewig tapferen Mamas, an die Werbe-Front geschickt werden. Italiener sind leider nur schick geworden.
Es gibt Ausnahmen. Zugegeben, das Innendesign erinnert an einen kargen Abstellraum, der umdekoriert wurde – aber auch an Italienreisen, bei denen an merkwürdig unhippen Ecken unerwartet gutes Essen serviert wird. Die Leibnizstraße ähnelt dem ein wenig – Chefin und Kellnerin Daniela Bonucelli vertreibt mit ihrer Aufmerksamkeit erste Zweifel.

An diesem Abend wurde das arme Adjektiv „herrlich“ ständig in die Runde geworfen. Es ist aber auch eine Freude, wenn frische Antipasti in bester Qualität auf den Tisch kommen: ein Vitello Tornato, das Kalbfleisch als solches zu schmecken, wunderbar zart und mürbe, dazu eine Thunfischpaste so dickflüssig, dass es schon an Mus erinnert, hauchdünne Zucchinischeiben mit Zitrone beträufelt und Parmesanspäne darüber, frittierte Algen, saure Sardellen und noch das klassische Repertoire an eingelegtem Gemüse. Es war für drei Personen genau die richtige Menge zum Einstieg, obwohl diese Vorspeise für zwei gedacht war. Es folgte Primi Piatti, wie der Italiener den Pastagang nennt. Das Gäs­te-Trio isst mit Genuss die hausgemachten Quadrucci mit Ka­ninchen. Die viereckigen Pas­tablättchen dümpeln in einer angenehm scharfen Tomatensauce, und das Kaninchen samt Knochen entfaltet seinen würzigen Geschmack samt Rosmarinaroma. Wie gesagt, das arme „herrlich“ kam wieder über die Lippen.

L_OlivioDie offenen Weine, der Gambellara Classico und Chianti Montespertoli spielen als als dezente Begleiter eine gute Rolle. Als Secondi Piatti kommt die Kalbshinterhaxe auf den Tisch, es sind Scheiben vom Braten, der im Ofen geschmort ist mit einer entsprechenden Sauce, bei der Knoblauch zum Zuge kam. Es gibt ein einziges Fischgericht, und es schien ein Pseudoangebot zu sein. Doch als der erste Bissen des Lachs Guazetto im Munde verschwand, nichts mehr von pseudo, sondern einfach gebratener Fisch, noch glasig in der Mitte, samt einer harmonisch leicht sauren Weißweinsauce mit frischem Basilikum. Ein weiteres Pastagericht, die Fettuccine mit Rindergeschnetzeltem und Pilzen kann als Hauptgericht mithalten. Zum Schluss mussten Tiramisu und eine Crиme brыlйe dran glauben. Als dann die Rechnung kam, stand fest: Es gibt noch gute Italiener.

Text: Eva-Maria Hilker

Foto: Jens Berger

 

L’Olivo
Leibnizstraße 74,
Charlottenburg, Tel. 32 30 39 97;
S-Bhf. Savignyplatz, Bus M49, 101;
Mo-Sa 17-24 Uhr;
Speisen 3,80 bis 18,50 Ђ;
Softdrinks ab 1,80 Ђ, Bier (0,3 l) 2,40 Ђ, Wein (0,2 l) ab 3,50 Ђ,
Fl. Wein (0,75 l) ab 16,50 Ђ;
Rauchen draußen, überdacht

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