Essen & Trinken

??“Big in? Japan“ von Clemens Niedenthal

2004 war das MoMA in Berlin zu Gast. Das vermutlich weltbeste Museum der Moderne. 2015 ist Noma in Tokio zu Gast, das vermutlich beste Restaurant der Gegenwart. Nun führt es nicht immer zu einem nahrhaften Mehrwert, das Essen zur Kunstform zu erheben und den Koch zu einem Künstler. Immerhin aber dieser Vergleich passt: Hier wie dort ist das Interesse der Menschen überwältigend, 60?000 hatten sich online um eine Reservierung für das 37-tägige Gastpiel von Renй Redzepi und seiner radikal regionalen Kopenhagener Noma-Küche bemüht. Fermentierte Shiitake­pilze in dunkler Schokolade, Hyokkori-Kürbis mit Kirschholz-Öl und gesalzenen Kirschblüten, eine Languste mit zitronen­gewürzten schwarzen Ameisen aus den Wäldern von Nagano – tatsächlich arbeitet Redzepi, trotz der knappen Vorbereitungszeit, auch im ?37. Stock des Hotel Mandarin Oriental nur mit lokalen Produkten, lokalen Aromen. Nur die Möbel hat er mitgebracht. Das dänische Traditionshaus Fritz Hansen hat die zurückhaltende Einrichtung des Pop-up-Restaurants entworfen. Umgerechnet knapp 500 Euro kostet das 16-gängige Menü inklusive Weinbegleitung – dennoch ist noch nicht klar, ob das ambitionierte Projekt nicht in den roten Zahlen endet. Womit zumindest eines widerlegt wäre: Gutes Essen nämlich muss manchmal doch teuer sein.

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