Amerikanisch

Big Sur in Kreuzberg

Schweinehaut, Grünkohlknusper und ein perfekter Burger, um den es gar nicht geht: Im Big Sur wird die Graefestraße zum Pacific Coast Highway

Foto: Giovanni Dominice
Foto: Giovanni Dominice

Pizzerien heißen Napoli, (gute) Franzosen Le Faubourg und auch im Big Sur klappt das durchaus köstlich mit dem Namen und seinen aromatischen Assoziationen. Wobei die Küche Kaliforniens eben für vieles steht. Für einen multikulinarischen Melting Pot aus amerikanischen, mexikanischen, asiatischen Einflüssen. Für das selige Burger-Gefühl. Aber auch die From-Farm-to-Table-Bewegung – saisonal, regional, organisch und radikal handwerklich – hat ihre Wurzeln ja in Kalifornien.
Um all das geht es im Big Sur, das – obwohl hervorgegangen aus der (empfehlenswerten) Street-Food-Adresse Gorilla Barbecue – weit mehr ist als bloß ein weiterer Burgerladen. Klar ist dieser Burger (150 Gramm irisches Weiderind in Bio-Qualität mit Cheddar, Balsamico-Zwiebeln, Trüffel-Mayo …, 12 Euro) eine Referenz. Das Weitgereiste und vor allem die Qualität der Produkte wie ihrer Zubereitung aber schmeckt man auf anderen Tellern noch deutlicher heraus. Das beginnt schon mit der frittierten Schweinehaut als Appetithappen (ja, Fett ist ein Geschmacksträger) oder dem angegrilten Romana-Salat mit Chili und eingelegter Zitrone. Unser Tipp: Eine Vorspeise (das wunderbar cremige Rilette mit den Pickles und dem getosteten Sauerteigbrot, 11 Euro), eine Bowl (das angeröstete Grünkohl-Tahini,  12 Euro) und ein Hauptgericht (Fish & Chips mit grob geschnitzen, perfekten Pommes und einem, nun ja, britischen Minzpüree, 18 Euro) reichen zu zweit vollkommen. Dann ist auch  noch Platz für einen   vollmundig cremigen Buttemilchkuchen, der – irgendwo zwischen Tarte au Citron und American Cheesecake – noch ein letztes Mal auf den Punkt bringt, dass es dem Big Sur eben um beides geht:  soulfoodige Leibspeiserei und handwerkliche wie aromatische Raffinesse.
Was uns noch aufgefallen ist? Der offene, gut gelaunte Service, ein irischer Küchenchef, den man noch aus dem seligen Little Otik (damals ja auch in der Graefestraße) kennen könnte und ein Außenbereich, der sich schon aufs Frühjahr freut. Gute Bar und Bierauswahl. Am Wochenende Brunch mit Pancakes, Avocados und, na klar, ganz vielen Eiern.

Big Sur Graefestraße 11, Kreuzberg, Di–So ab 18 Uhr, Sa So 11-16 Uhr (Brunch) www.bigsur.berlin

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