Essen & Trinken

„Boden der ?Tatsachen“ von Clemens Niedenthal

Gut, jagen und sammeln. Aber dann kam schon die Landwirtschaft. Das Hüten (und das Domestizieren) der Ziege, das Jäten (und das Kultivieren) des Beets. Wir sind, evolutionsgeschichtlich betrachtet, alle Bauern. Und das wird durch ein Phänomen wie Urban Gardening und die neuerlichen Umsatzrekorde der Gummistiefelindustrie (sie ist ja inzwischen eine Lifestylebranche) noch einmal belegt. Dann aber liefert der Bodenatlas der Heinrich-Böll-Stiftung folgenden Fakt: Es gibt in Deutschland inzwischen Agrarbetriebe, nein, man sollte an dieser Stelle nicht von Bauernhöfen sprechen, die erhalten EU-Subventionen von jährlich 150?000 Euro – pro Mitarbeiter. Also umgeschlagen. Denn subventioniert wird natürlich nicht die menschliche Arbeit, sondern ihr Gegenteil: die größtmögliche Rationalisierung, die Agrarfabrik. 2?000 Quadrat­meter benötigt ein Mensch statistisch betrachtet, um sich ein Jahr lang zu ernähren. Die KTG Agrar, Deutschlands größter landwirtschaftlicher Betrieb, bewirtschaftet 45?000 Hektar. Es liegt mir fern, die Rückkehr zu einer Subsistenzlandwirtschaft zu propagieren, den Acker hinter dem Townhaus, die Hühner auf der Terrasse. Es geht um eine Verhältnismäßigkeit – auch und vor allem, um unser Verhältnis zur Natur und ihrer maß- wie genussvollen Kultivierung wieder zu einem unmittelbaren, einem unkonservierten zu machen.

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