Boii Boii in Kreuzberg: So wie man hier ist, ist man richtig
Exzellente Küche, herzliche Gastfreundschaft: Boii Boii verbindet zeitgenössische Thai-Cuisine mit charmanter Leichtigkeit und einem angenehm eigenen Stil.

Um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen: Dieses Restaurant ist wunderbar. Und das aus vielfältigen, ja geradezu diversen Gründen, von denen als erstes unbedingt die Küche zu nennen wäre. Zeitgenössisch thailändisch, aber with a twist. Und nicht bloß mit jener übersteuerten Vollmundigkeit, wie sie zuletzt so typisch gerade für thailändisches Streetfood in dieser Stadt geworden war.
„Es ist ja auch nicht so, dass in Thailand jeder Teller immer nur scharf ist“, sagt die Thailänderin Nita Wolff. Und ihr Lebenspartner Niklas Wolff ergänzt: „Uns ist einerseits sehr wichtig, dass die Sachen authentisch schmecken. Wenn wir dann aber anstatt Papaya Fenchel aus Brandenburg verwenden, empfinde ich das durchaus als Wertschätzung vor der originären Küche als auch der Region, in der wir unsere Küche servieren.“
Aromen und Atmosphäre im Boii Boii
Kennen könnte man Nita und Niklas Wolff bereits von ihrem letztjährigen Pop-up Thai Noods, das, aufgeführt in drei Akten, die Ouvertüre für ihr gerade eröffnetes Restaurant gewesen ist. Erster Akt: das ziemlich beste Pad Thai der Stadt, serviert in der Reichenberger Straße. Wobei das berühmteste thailändische Gericht auch im Boii Boii weiterhin auf der Karte steht. Zweiter Akt: eine vierzehntägige Übernahme des ehemaligen Kin Dee in der Lützowstraße. Neue Gerichte – Muscheln, Austern oder ein im Ganzen gebratener Wolfsbarsch– verfeinerten das Konzept und standen doch für die Überzeugung, Aromen immer gemeinsam mit der Atmosphäre zu denken. Fine Dining mit Fettfingern gewissermaßen.
Deshalb der dritte Akt: ein weiteres Pop-up, diesmal in der Casa Camper in Mitte, und diesmal sollte das Dinner an der Bar enden. Hat funktioniert. Bis zu 200 Drinks haben Nita und Niklas Wolff am Abend, oder eben in der Nacht, serviert. Somit war klar, dass auch das Boii Boii zusätzlich zum gemütlichen Gastraum auch eine Bar haben wird: Zwei Handvoll Hocker gruppieren sich um den hölzernen Tresen und eine recht üppige Fensterbank. Diesen Plätzen wohnt bewusst das Versprechen inne, immer auch nur für ein oder zwei Teller vorbeischauen zu können, für ein Glas Wein oder einen Drink.
Den Gastgeber:innen geht es um Wertschätzung
Wie es überhaupt die sympathischste Erkenntnis dieses überzeugenden Abends ist: Ins Boii Boii kann man als Tischgesellschaft kommen, zu fünft oder sechst, und einmal die gesamte Karte bestellen. Und flaschenweise Wein. Man kommt zu zweit für eine Vorspeise und die Familienportion Pad Thai. Oder man sitzt alleine für einen Drink und die vorzügliche, über 15 Stunden gegarte Kalbszunge an der Bar. Immer bekommt man das Gefühl, und die Wertschätzung der Gastgeber:innen, integraler Teil einer schlüssigen Erzählung zu sein. Man kann 30 Euro ausgeben, 50 oder 150. Und hat stets das Gefühl, dass man, so wie man ist, genau richtig ist.

Saßen wir nicht zuletzt viel zu oft in Restaurants und Lokalen, in denen das Konzept vor allem ein Korsett war? „Ich habe das schon auch so erlebt“, sagt Niklas Wolff, „in manchen Restaurants wird der Gast mit seinen ganz eigenen Bedürfnissen geradezu als störend wahrgenommen.“
Boii Boii macht stattdessen ein Angebot. Nein, viele Angebote. Was auch daran liegt, dass Nita Wolff ein entdeckungshungrige Köchin ist, mit einer tollen (noch dazu ausschließlich weiblichen) Küchencrew zudem. Herausragend etwa die Fleischklößchensuppe Kiam Boii, serviert in Großmutters Suppenterrine. Die schmeckt so tief, vielschichtig und gleichzeitig ganz klar, dass unsere zufriedenes Schlürfen gleich zwei Nachbartische animieren sollte, die Suppe ebenfalls zu ordern. Oder ein geräucherter baskischer Cheesecake, gebacken allerdings mit Kokosmilch.
Darüber hinaus wissen Nita und Niklas Wolff ganz genau, dass die Aromen das eine sind, dass aber ein gelungener Abend und erst recht ein gelungenes Restaurant vor allem von der Atmosphäre leben. Und vom Talent der Gastgebenden ihren Gästen immer wieder neue Bühnen zu bauen. Diese neue Lässigkeit, vielleicht hat sie dem kulinarischen Berlin zuletzt ein wenig gefehlt.
- Boii Boii Lausitzer Str. 25, Kreuzberg, Mi–Sa ab 18 Uhr (Küche bis 22.30 Uhr), online
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