Kommentar

„Bringt‘s das?“ von Clemens Niedenthal

Ein Trend wird durchs Dorf getrieben. In weißen Lieferautos, die eigentlich wie gelbe Postautos aussehen, nur steht stattdessen so was wie Bringmeister drauf

Clemens Niedenthal
Clemens Niedenthal

Und statt Paketen von Amazon oder Zalando kommen hinten Pakete von Kaiser’s, Tengelmann oder Rewe raus. Home Delivery heißt dieser Trend, an dem sich mit Kaiser’s ja sogar Lebensmittelhändler beteiligen, die ihren Handel lieber heute als morgen in die Hände anderer legen würden. Egal, auf diesen Zug muss man noch aufspringen. Wie groß ist doch gleich der Braten, von dem alle ihr Stück wollen? Der Online-Anteil am gesamten Lebensmittelhandel beträgt in Deutschland gegenwärtig stabile 0,8 Prozent.
Übrigens: Schon einmal, als die Zukunft vorbeigeschaut hatte, hatte sie die Idee der nach Hause gelieferten Lebensmittel im Gepäck. Im Corbusierhaus am Olympiastadion oder in den Hochhäusern im Hansaviertel gab es deshalb Klappen neben der Wohnungstür. Dort hat der Lebensmittelhändler, tatsächlich gab es im 1957 eröffneten Corbusierhaus lange Zeit zwei  Supermärkte, tagsüber die am Morgen auf einem handschriftlichen Zettel zusammengestellten Einkäufe reingestellt. Heute gäbe es statt des Zettels sogar intuitive, interaktive  Apps. Nur die Klappen neben den Haus- bzw. Wohnungstüren wurden inzwischen vergessen. Weshalb fürs Home Delivery bis auf weiteres jemand zuhause sein muss. Ein blödes, analoges Detail in dieser ganz und gar digitalen Shopping-Utopie.

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