Essen & Trinken

Clemens Niedenthal über Craft-Bier

Essen macht Arbeit. Schafft also auch Arbeitsplätze. Deshalb ist die neue, lässige Lebensmittelbegeisterung eine gute Nachricht für eine Stadt, die sich einmal auf dem symbolischen wie materiellen Mehrwert der sogenannten Kreativbranche neu erfinden wollte. Die Kreativbranche der Zukunft, das könnten, nein, werden all die kulinarischen Start-ups sein, wie sie in Berlin gerade in aller Munde sind. Bäcker, Gärtner, Slow-Food-Griller, Craft-Bier-Brauer. Nur: Wie verhält sich diese Gras­wurzel-Gründerzeit zu einer 25-Millionen-Euro-Investition in Mariendorf? Die US-amerikanische Stone Brewing Company will ihr Craft-Bier (Markenname etwa „Arrogant Bastard Ale“) ?von dort aus ab 2016 in Europa etablieren. Firmenchef Greg Koch zelebrierte auf dem tatsächlich eindrücklichen Gelände – ?ein Gasometer an der Lankwitzer Straße – schon mal den ganz ­großen Aufschlag: Per Gabelstapler ließ er einen Felsbrocken auf eine Palette (nicht nur) deutscher Industriebiere poltern. Krachen, Zischen, Johlen, aber auch konsternierte Blicke. War das nicht doch zu viel Lärm? Und ist es nicht überhaupt zu viel? Auf dem Gelände wird auch einer der größten (Erlebnis-)gastronomischen Betriebe Berlins entstehen. Ein Craft-Bier-Hofbräuhaus. Aber damit muss sich die kleinteilig organisierte Food-Szene künftig wohl häufiger beschäftigen: ?Ihr Ruf ist zu gut und zu cool, ?als dass er nicht auch ganz, ?ganz große Erwartungen weckt.

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