Essen & Trinken

Clemens Niedenthal über Wasser zum Kaffee

Nichts wird so langsam getrunken, wie man lange darüber reden kann. Und auch wenn es stimmt, dass Alkohol die Zunge lockert, habe ich die wirklich grundsätzlichen Diskussionen nicht über sehr schwere, sehr alte Rotweine geführt, sondern über – Wasser. Man darf mich naiv schimpfen, dass mir die Tragweite dieser Frage nicht bewusst war: „Ähm, wegen dem blöden Kalk im Berliner Leitungswasser, sollte ich nicht lieber stilles Wasser in meine Sieb­trägermaschine schütten?“ Eine Expertin der guten Dinge in einem Kaufhaus am Ernst-Reuter-Platz wälzte ganze Ordner voller für die Kaffeezubereitung empfehlenswerter, vor allem aber gar nicht empfehlenswerter Mineralwässer. Ob ich nicht doch lieber in eine kühlschrankgroße Entkalkungsanlage investieren wolle? Ein Freund riet zu Volvic. Woraufhin drei andere wussten, dass der Kaffee dann aber arg metallisch, „nach Reißnägeln“, schmeckt. Hätten sie nicht geschmeckt, aber gehört. ?Wisse doch jeder. Also richtete ich meine Frage an ein dem Thema zugeneigten Online­portal. Und hatte damit eine ?wüst mäandernde Diskussion losgetreten. Verschwörungs­theorien, Mondphasen, Esoterisches und Globalisierungskritisches … um guten Kaffee ging es nicht mehr wirklich. Das Berliner Wasser trinke ich übrigens – wenn auch nicht im Kaffee – weiterhin recht gerne.
 

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