Inmitten der mit Leuchtreklamen, Neonschriftzügen und Werbeaufstellerm zugekleisterten Karl-Marx-Straße steht der Name dieser Sauerteigbäckerei schlicht auf der dreifachverglasten (und angenehm schallisolierenden) Fensterscheibe: Common. Darunter: Coffee, Pastries, Sourdough Pizza – was das Ganze schon einmal ziemlich gut zusammenfasst.

Im Juni 2025 eröffnete Maximilian Korrenz-Lemke sein Café, das abends zur neapolitanischen Pizzeria wird. Die Räumlichkeiten passen tatsächlich zu beidem, denn sie sind edel und trotzdem leger. „Davor war hier eine Metzgerei drin“ erzählt Korrenz-Lemke. Danach sieht das Common tatsächlich nicht mehr aus. „Wir haben alles neu gemacht, komplett. Sogar Wände haben wir verrückt.“ Das Resultat ist rot, und zwar burgunderrot: der Boden, die Wände, sogar die Decke. Dazu hochwertige Holztische, Bänke mit grauem Polster sowie ein großzügiger Tresen.
Der recht dunkel gewählte Farbton funktioniert überraschend gut. Er fokussiert unseren Blick auf zwei gute Dutzend Kardamomknoten, die goldbraun in der Vitrine auf dem Tresen glänzen. Der Geschmackstest offenbart eine außerordentliche Saftigkeit, die viel mit Butter zu tun hat und wenig mit Ei. „Damit unsere Kardamomknoten so schön karamellisieren, backen wir sie etwas länger und verzichten damit auf den Egg Wash, also der Eiglasur vor dem Backen“, erklärt der Inhaber. Ähnlich ist es bei den Zimtschnecken, welche es hier in Form von in sich geschwungenen, blättrigen Kränzen mit reichlich Zimt-und-Zucker-Garnitur gibt. Außerdem backt das Team um Korrenz-Lemke zwei Sorten Cookies, einen Miso-Schokoladenkuchen und ein sehr saftiges, sehr kerniges Roggenkastenbrot, das es als köstliche Käsestulle oder mit einem gekochten Ei fair bepreist als Frühstücksteller gibt.

Spätestens letzteres liefert einen deutlichen Hinweis auf die Vergangenheit des Betreibers. Viele Jahre habe er in Kopenhagen gelebt und in der Gastronomie gearbeitet, in der Küche und in der Backstube, erzählt er. Ohnehin wird diese Trennung in Dänemark nicht sonderlich eng gesehen.
Pecorino aus dem Allgäu, Mozzarella aus Brandenburg und Bacon aus Neukölln
Bevor der Common-Gründer 2021 in die dänische Hauptstadt ging, um sich kulinarisch fortzubilden, war Korrenz-Lemke ein Kernmitglied des legendären Pizza-Pop-ups Tiny. Zur Coronazeit hatte er das Tiny-Pizzafenster an der Torstraße mitbetrieben und später die eigene Pizzeria in den Rosenhöfen in Mitte. Dass er das Common abends zur Pizzeria macht, ist also nur folgerichtig. Der studierte Ökonom versteht viel von Teig und auch davon, diesen zu belegen. Selbstverständlichkeiten aus Kopenhagen, allen voran die Verwendung hochwertiger Zutaten, brachte er mit in seinen Neuköllner Laden und verarbeitet unter anderem Pecorino aus dem Allgäu, Mozzarella aus Brandenburg und Bacon von der Blutwurstmanufaktur am Karl-Marx-Platz auf der anderen Straßenseite. Weltläufigkeit, Nachbarschaftsvibes, das passt gut zusammen in diesem kleinen, großen Bäckerei-Café-Pizzeria-Hybriden.
Läden wie das Common kann es gar nicht genug geben
Denn zurück zum Anfang und somit zum dritten Wort auf der dreifachverglasten Scheibe: Auch der Kaffee ist toll und noch dazu preislich fair kalkuliert. Die Bohnen kommen von der Specialty-Coffee-Rösterei August 63 in Mitte, die auf nachhaltigen Anbau und komplette Transparenz ihrer Lieferketten setzt. Ein zunehmend entscheidendes Argument in der aufgeheizten Debatte um die Zukunft der großstädtischen Kaffee(haus)kultur. Wir finden: Inhaber:innengeführte Läden mit so viel Herzblut, wie wir es im Common erlebt haben, kann es in Berlin nicht genügend geben.
- Common Karl-Marx-Str. 176, Neukölln, Café: Mi–So 9–16 Uhr, Pizza: Mi–Sa 18–22.30 Uhr, bei Instagram
Willkommen zurück: Die Fleischerei an der Schönhauser Allee ist wieder da. Probiert die Drink-Experimente in der Schwips Bar aus! Italo-Vibes und Kneipenakzente: Wir sagen Hallo zur Adieu Bar. Sauerteigstullen und Gemütlichkeitsversprechen: Zu Besuch im Neuköllner Café Wilke. Umwerfend scharf: Hi! Chili in Prenzlauer Berg. Dieses Getränk macht alkoholfreiem Bier Konkurrenz: Wir haben Feral probiert. Aussegnungshalle, Pförtnerhäuschen, Gefängnis: Wir zeigen euch Lokale, die ihre Räume völlig verwandelt haben. Passt so? Über den Trinkgeldvorschlag bei Kartenzahlung. Premiere: Erstmals findet die Restaurant Week in Berlin statt. Frittierte Leidenschaft: Wir sind begeistert vom Chompy Bistro. Staffelübergabe: Die Rotisserie Weingrün gehört jetzt zur Jolesch-Familie. In Wilmersdorf findet sich mit Rasoterra die ziemlich beste Pizzeria Berlins. „Lass uns das Gulasch feiern, bis es alle ist“, sagt Max Strohe im Interview anlässlich der Veröffentlichung seines Buchs „All You Can Eat“.



