Essen & Trinken

Corona-Geschichten aus der Provinz: Odefey & Töchter

Corona Panik? Keine Spur. Lars Odefey und seine Hühner auf seinem Hof nahe der Lüneburger Heide.
Glückliche Hühner, ein nachdenklicher Bauer: Lars Odefey. Foto: Hendrik Haase

„Unser Hof Odefey & Töchter steht in Mehre am Rand der Lüneburger Heide, 60 Einwohner. Gefühlt und sogar gelebt bekommt man den Virus hier nicht wirklich mit. Tiere gäbe es um einige mehr, aber das ist ja auch so ein Unsinn der gerade kursiert, dass das Virus auch auf und von Tieren übertragen werden könne, da zweifelt man schon auch an der Ratio der Leute. Jetzt also Social Distancing. Nur leben meine ganzen Freunde bestenfalls in Göttingen oder gleich in Berlin, mein Alltag ist per se gelebtes Social Distancing. Was mich dann unweigerlich zur Frage bringt, wie sich Corona zur demographischen Lage verhält.

Es darf nicht sein, dass am Ende nur die Großen überleben

Die Städte sind jetzt unter krassem Druck. Weil sich kaum ein*e Gastronomin bei den explodierenden Mieten diese ein, zwei Monate nehmen kann. Gleichzeitig haben aber alle die hyperagile Branche mit ihren ganzen Popups und Neueröffnungen gefeiert. Das Tolle war ja gerade diese Spontanität und Kreativität und auch das Tempo mit der neue Ideen, auch jene einer nachhaltigeren, naturnäheren Küche, adaptiert worden sind. Jetzt stehen gerade solche Läden mit dem Rücken zur Wand. Und den Höfen und Lieferanten, die bewusst etwas anders machen, geht es ja genauso. Auch mir bricht gerade 80 Prozent des Umsatzes weg, die komplette Gastronomie. Hier erwarte ich auch von den öffentlichen Seiten Solidarität. Es darf nicht sein, dass am Ende nur die Großen überleben, der Einheitsbrei.

Warum anders wirtschaften gerade jetzt wichtig ist, dafür steht Odefey & Töchter ja auch. Ich schlachte meine Tiere erst, wenn sie verkauft worden sind. Mittwochs ruft etwa die Kreuzberger Markthalle an und sagt, das Nobelhart will 20 Hühner, Lode & Stijn zehn und so weiter. Ich habe den großen Vorteil, ich kann sie einfach leben lassen. Und mein Futter kommt aus einem deutschen Demeter-Betrieb, kurze Wege. Da ist nichts, was jetzt an irgendeiner Grenze im Stau steht oder gar nicht mehr importiert werden kann. Auch da hoffe ich, das jetzt mal hingeguckt wird und mehr Menschen begreifen, dass so eine Art zu denken und zu handeln Sinn macht.“ Aufgezeichnet von Clemens Niedenthal

Lars Odefey hält in Mehre bei Uelzen Hühner in mobilen Ställen und Weidehaltung. Wir sagen, es sind die geschmackvollsten Hühner Deutschlands. Antibiotika hat er noch nie eingesetzt. Und wer nun Appetit auf ein Zitronenhähnchen hätte: www.odefey.de


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